Meinung : Über den Wolken

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Es geht zu wie im Hühnerstall. Bayern verschärft die Grenzkontrollen. Andere Bundesländer verbannen ihre Geflügelbestände auf freiwilliger Basis in die Ställe. Die Bundesregierung ruft den nationalen Krisenstab ein. Die Notschlachtungen in Rumänien gehen weiter. In der Türkei werden zwei Ortschaften unter Quarantäne gestellt. Die Reifen aller Fahrzeuge, die die Region verlassen, werden mit Desinfektionsmitteln besprüht. Und so weiter. Wie groß die Gefahr für den Menschen durch die Vogelgrippe ist, bleibt unklar. Sicher aber ist: Vögel fliegen, auch kranke. Über den Wolken ist ihre Freiheit grenzenlos. Um Schengen scheren sie sich nicht. Das wiederum heißt: Lokale, regionale und nationale Notfallpläne sind Unsinn. Gefordert ist EUweite Koordination. Wozu gibt’s Europa, wenn nicht in einem Fall wie diesem? Ein Einfuhrverbot für Geflügel und Federn aus der Türkei hat die EU bereits verhängt. Doch das reicht nicht. Illegale Importe müssen unterbunden, Kontrollen verschärft, Reisende EU-einheitlich gewarnt werden. Nur ein abgestimmter Kampf gegen die Ausbreitung des Erregers ist wirksam. Regionale und nationale Eigeninitiativen verstärken den Eindruck eines kopflosen Aktionismus. Zunächst jedoch muss zweifelsfrei geklärt werden, ob überhaupt in Europa jenes Virus nachgewiesen werden kann, das auch für Menschen gefährlich ist. Erst kommt die Diagnose, dann wird operiert. mal

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