Meinung : Übergriffig

„Weniger Dauerkranke durch mehr

Kontrolle“ vom 2. August

Das Wort Dauerkranke/r wird in unserer Sprache genauso gebraucht wie Dauerschwänzer oder Dauernörglerin – stets wird ein allgemein unerwünschter Zustand bzw. Verhaltensweise mit dem Begriff Dauer verbunden. Parallel suggerieren diese Begrifflichkeiten, die einzelne Person habe eindeutig Einfluss auf ihre Verhaltensweise. Das Risiko, eine schwerwiegende Erkrankung zu erleiden, steigt mit dem Lebensalter. Zirka 40 Prozent des Berliner Schulpersonals sind zwischen 50 und 65 Jahre alt. So muss es auch nicht verwundern, dass die Zahl der langfristig Erkrankten seit Jahren gestiegen ist. Nun hat die Senatorin dargestellt, welche Haltung in ihrer Behörde das Verwaltungshandeln den Erkrankten gegenüber bestimmt: Kontrolle!

Aber beileibe nicht alle Diagnosen halten sich in ihrer Ausprägung an das Entgeltfortzahlungsgesetz, an sozialgesetzliche, tarifvertragliche oder beamtenrechtliche Vorgaben. Aus vielen Gesprächen mit erkrankten Kolleginnen und Kollegen in den letzten zehn Jahren weiß ich, wie wichtig für sie die Aussicht auf die Rückkehr an „ihre“ Schule ist. Der Zeitpunkt dafür jedoch wird allein vom individuellen Heilungsverlauf bestimmt und von medizinischer Seite festgelegt.

Im Umgang mit Erkrankten sind Arbeitgeber und Behörden seit 2004 zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) nach § 84 Sozialgesetzbuch IX verpflichtet. Es irritiert, dass davon nichts zu lesen ist. Die Autorin skizziert eher das Berliner Ausgliederungsmanagement (BAM) der Senatsverwaltung für Bildung!

Susanne Reiß, Berlin-Zehlendorf

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