Meinung : Um drei Ecken

DEUTSCH-FRANZÖSISCH-POLNISCHER GIPFEL

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Totgesagte leben länger. Das „Weimarer Dreieck“, 1991 gegründet, um nach dem Fall der Mauer die neuen Kooperationschancen zwischen Frankreich, Deutschland und Polen zu nutzen, hat zwölf Jahre lang mehr vor sich hingedämmert als aktiv gearbeitet. Vor allem, weil Paris wenig Interesse zeigte; bilateral sind Deutsche und Polen auch ohne das „Dreieck“ gut vorangekommen. Demnächst könnte man es offiziell begraben, wenn Polen im Mai 2004 der EU beitritt. Die soll schließlich nicht durch lauter Untergruppen zergliedert werden. Doch jetzt, in der offenkundigen Uneinigkeit Europas, erweist dieses Dreieck seinen Nutzen. Anders als jüngst beim Vierergipfel zur vertieften Militärkooperation in Brüssel und anders als bei der angeblichen „Achse“ ParisBerlin-Moskau reden hier nicht die miteinander, die sowieso einer Meinung sind – weshalb ihre Treffen leicht wie Demonstrationen gegen Amerika wirken. In Breslau treffen sich die Kriegsgegner Frankreich und Deutschland mit einem Polen, das im Irak mitgekämpft hat, dort nun eine Verwaltungszone übernimmt – und dessen Haltung viele Europäer in West und Ost teilen. Da ist kein Platz für Rechthaberei und wettern gegen „die anderen“. Alle drei haben Interesse an einer Stärkung Europas, müssen es haben und ahnen, dass sie in der erweiterten EU nicht aneinander vorbeikommen. Deshalb suchen sie die Verständigung in Europa. Die womöglich zur Verständigung ganz Europas mit Amerika führen kann. cvm

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