Umfrage des German Marshall Funds : Deutschland, eine Insel der Zufriedenen

Die Deutschen sehen sich positiver und werden freundlicher gesehen, als viele glauben. Die Deutschen haben auch nach wie vor ein positives Bild von den USA und Präsident Barack Obama, ungeachtet der NSA-Abhöraffäre.

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Schäkern ja, reden nein: Merkel hat zu wenig getan, um Obama beim Thema Syrien einen Gesprächskanal zu Putin offen zu halten.
Schäkern ja, reden nein: Merkel hat zu wenig getan, um Obama beim Thema Syrien einen Gesprächskanal zu Putin offen zu halten.Foto: Afp

Wer Tag für Tag mit der veröffentlichten Meinung in Deutschland zu tun hat, erlebt oft ein Land im Alarmzustand. Nach Darstellung nicht aller, aber einer Vielzahl lautstarker Medien hassen viele Europäer die Bundesregierung, insbesondere in den Südländern, weil Kanzlerin Merkel ihnen Sparkurs und Reformen aufzwingen wolle. Angeblich sind die Deutschen ausländerfeindlich; denn manche provozieren vor Asylbewerberheimen. Mit Einwanderung verbinden sie nichts Positives, sondern die Angst um den eigenen Job. Und das Verhältnis zu den USA sei ohnehin zerrüttet.

Nun hält uns die jährliche Umfrage des German Marshall Funds in den USA und Europa den Spiegel vor. Siehe da: Die Deutschen sehen die Lage und ihre Einbettung in die internationalen Dynamiken viel positiver und werden von außen auch freundlicher wahrgenommen, als viele glauben machen.

Die Krisenstrategie Angela Merkels findet mehr Zustimmung als die der EU insgesamt – und in vielen betroffenen Ländern ist ihr Ansehen höher als das der eigenen Regierung. Nahezu zwei Drittel der Deutschen sagen, sie verbinden mit der Einwanderung von Ausländern mehr Chancen als Risiken.

Die Deutschen haben nach wie vor ein positives Bild von den USA und Präsident Barack Obama, ungeachtet der NSA-Abhöraffäre. Deren Enthüllung fiel in die Schlussphase der viermonatigen Umfrage. Vier Fünftel wünschen sich eine starke Führungsrolle Amerikas in der Welt. Sieben von zehn äußern Zustimmung zu Obama.

Deutschland wirkt wie eine Insel der Zufriedenen in diesem Stimmungsbild aus 13 Nationen: den USA, elf EU-Staaten und der Türkei. Bei nahezu allen positiven Deutungen sind die Deutschen in der Spitzengruppe. Sie zeigen die höchste Zustimmung zur EU und zum Euro und ebenso zur Außenpolitik ihrer eigenen Regierung. Sie fühlen sich weniger getroffen von den Folgen der Finanz- und der Eurokrise als andere Gesellschaften. Sie begleiten den Aufstieg von Schwellenländern wie Brasilien, Indien oder Indonesien mit mehr Hoffnungen als Ängsten.

Gewiss, sie lehnen militärische Interventionen, zum Beispiel jetzt in Syrien, ab. Da ist ihnen der internationale Trend gefolgt. Auch die Mehrheit der Amerikaner möchte keine Truppen mehr entsenden. Nur beim Drohneneinsatz teilt sich das Bild: Die Deutschen sind wie die meisten Europäer dagegen, die Amerikaner dafür. Trotz der Opposition gegen das Militärische wären 60 Prozent der Deutschen bereit, die Bundeswehr länger in Afghanistan zu lassen, sofern der Einsatz der Ausbildung der Afghanen dient. Und die Zustimmung zur Nato ist in Deutschland mit 71 Prozent am höchsten.

Immer negativer wird dagegen die Bewertung Russlands und Chinas. Die klare Mehrheit der Deutschen hält es nicht für wünschenswert, dass sie eine Führungsrolle in der Welt haben. Chinas Ansehen in Europa ist im vergangenen Jahr drastisch eingebrochen. Generell sieht Chinas Zukunft nicht mehr ganz so rosig aus, auch die Risiken durch Grenzkonflikte wachsen. Europa, so die allgemeine Hoffnung, hat das Schlimmste der Krise hinter sich. Auch das gehört zur Stimmungswende 2013.

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