Meinung : Umtausch eingeschlossen

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Die Zahl der Ehescheidungen in Deutschland steigt seit 1993 von Jahr zu Jahr, und es wird Zeit, daran etwas Positives zu entdecken. Hier ist es: „Die Menschen lassen sich nicht scheiden, weil sie die Ehe als Institution für unwichtig halten“, sagt ein namhafter Eheberater, „sondern weil sie ihnen so wichtig ist.“ Doch so ganz eindeutig scheint das nicht zu sein, denn andere Experten meinen, dass die Ehe einfach zu einem Konsumgut abgestiegen sei, dessen mögliche Abnutzung von Anfang an einkalkuliert ist wie bei einem Auto oder Fernsehgerät. Aus den am Freitag veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamts lässt sich über mögliche Motive wenig ablesen. Immerhin: Das verflixte siebente Jahr hat seinen Schrecken verloren, weil instabile Ehen meist im sechsten Jahr geschieden werden und dann zudem schon mindestens ein Jahr kaputt sind. Wer es sieben Jahre schafft, hat dagegen gute Chancen auf eine dauerhafte Verbindung, die nach klassischem Muster erst vom Tode geschieden wird. Alle anderen haben die Wahl: Fast 44 Prozent der Geschiedenen verarbeiten die Trennung nach einer Kölner Studie „kompetentunabhängig“. 19 Prozent gehören zu den „Resigniert-Unfreien“, 32 Prozent sind „distanziert-verfeindet“. Dafür lohnt sich die mühevolle Scheidung eigentlich kaum. bm

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