Umweltzone : Frische Luft für freie Bürger

Diesmal trifft es nicht nur die Rostlauben, sondern auch ziemlich neue Autos: In drei Monaten ist die Berliner Innenstadt für sie tabu, weil die Umweltzone verschärft wird. Doch anders als bei der Premiere vor zwei Jahren fallen die Proteste (ADAC: „Enteignung!“) und Prognosen zu den Folgen (IHK: „Pleitewelle!“) diesmal erstaunlich leise aus. Das dürfte einerseits daran liegen, dass sie beim ersten Mal, wie man nun weiß, nicht stimmten. Andererseits hat auch die Verwaltung gelernt: Sie zwingt die Autobesitzer, das Mögliche zu tun, aber sie lässt ihnen Auswege, wenn die Möglichkeiten fehlen. Die dabei angelegten Maßstäbe sind von Sachverstand geprägt. Dass Dieselruß und Stickoxide nun mal gesundheitsschädlich sind, ist keine Glaubensfrage, sondern Tatsache. Nichtstun verbietet sich also – auch wenn es vordergründig weniger Ärger machen würde. Eine Umwelt- und Gesundheitssenatorin, die sich den Zoff mit den Betroffenen lieber spart und dafür einige tausend zusätzliche Bronchitiskranke und ein paar hundert Krebstote mehr in Kauf nimmt, wäre eine Fehlbesetzung. Die Nutznießer der strengeren Vorschriften sind in der Debatte zwar unauffällig, aber sie sind zahlreich. Rund eine Million Menschen leben in der Umweltzone, die Mehrheit von ihnen übrigens ohne Auto. Wenn der Senat ihnen im Rahmen seiner Möglichkeiten zu sauberer Luft verhilft, macht er schlicht bürgernahe Politik. obs

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