UN-Botschafterin Samantha Power : „Amerika muss bereit sein, etwas zu riskieren“

von
Foto: Reuters
Foto: ReutersFoto: REUTERS

Bei der Wahl seiner Berater für Sicherheitspolitik in der zweiten Amtszeit nimmt Barack Obama wenig Rücksicht auf die Republikaner – obwohl er zum Teil deren Zustimmung für die Ernennungen benötigt. Er setzt auf zwei Frauen, die maßgeblich für die Entscheidung zur militärischen Intervention in Libyen waren: Susan Rice wird Sicherheitsberaterin, Samantha Power soll sie als US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen in New York ersetzen. Beide sind geprägt durch die Erfahrung, dass Hunderttausende Mitte der 1990er Jahre in Ruanda und auf dem Balkan sterben mussten, weil der Westen zögerte einzugreifen. Power hat ihre Empörung in einem Buch niedergelegt, für das sie den Pulitzer-Preis gewann: „A Problem from Hell: America and the Age of Genocide“.

Power, heute 42, wanderte im Alter von neun Jahren mit ihren Eltern von Irland in die USA ein. Ihre rotblonden Haare weisen auf die Herkunft hin. Nach dem Grundstudium in Yale ging sie mit 23 Jahren nach Jugoslawien, um über dessen Zerfall durch die ethnischen und religiösen Konflikte zu berichten. Später studierte sie Jura in Harvard. Trotz der grundsätzlichen Unterstützung für eine offensive Demokratieförderung und für Militärinterventionen zum Schutz von Zivilisten in Bürgerkriegen fordert Power jedoch – ebenso wie Rice – bisher kein Eingreifen in Syrien. Die Situation dort sei zu komplex, um die Lehren aus Ruanda, vom Balkan und aus Libyen anzuwenden, erklärt Tom Vietor, der bis vor kurzem Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats war und eng mit Power und Rice zusammengearbeitet hat.

Die offene Frage für Amerika ist weniger, ob sich die Syrienpolitik ändert, sondern wie die Republikaner auf Powers Nominierung als UN-Botschafterin reagieren. Sie hatten Vorbehalte gegen Susan Rice und haben verhindert, dass sie Außenministerin wurde. Zur Nationalen Sicherheitsberaterin darf Obama sie jedoch auch ohne ihre Zustimmung ernennen. Werden sie nun Probleme bei Power machen, weil der Präsident da ihre Unterstützung benötigt? Ihr Ex-Präsidentschaftskandidat John McCain lobt Power: „Sie hat tiefe moralische Überzeugungen.“ Ihm gefällt ihre Neigung zu deutlichen Worten. Der scheidende Sicherheitsberater Tom Donilon war ihm zu pragmatisch und zu asienorientiert. Doch der rechte Flügel der Republikaner möchte einen Kampf mit Obama und nennt Power „die gefährlichste Nominierung“.

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben