UN-Generalsekretär Ban Ki Moon : Stiller Mittler

Kaum vorstellbar, dass UN-Generalsekretär Ban Ki Moon einmal wie Kofi Annan den Friedensnobelpreis erhält. Noch verleiht er seiner Organisation kein klares Gesicht.

Ruth Ciesinger

Er wolle mehr Sekretär als General sein, hatte Ban Ki Moon vor eineinhalb Jahren angekündigt. Das war eine Anspielung auf und zugleich eine Abgrenzung zu Bans Vorgänger im Amt des UN-Generalsekretärs – den charismatischen Kofi Annan, der es sich mit seiner Kritik am Vorgehen im Irak mit den USA verscherzt hatte. Der Südkoreaner Ban wiederum, der an diesem Dienstag und Mittwoch Deutschland besucht, hat Wort gehalten: Weder hat er bisher durch mitreißende Auftritte aufgerüttelt noch packende Reden gehalten. Das ist – neben Patzern in der Personalpolitik zu Beginn seiner Amtszeit – mit das größte Problem, das dieser Generalsekretär der Weltorganisation beschert.

Die UN sind nur so stark, wie ihre Mitgliedstaaten sie stark sein lassen, und diese halten die Leine meist kurz. Umso unverzichtbarer ist ein Generalsekretär, der mit klarer Stimme spricht und den Vereinten Nationen ein Gesicht gibt. Das aber fehlt. Kaum vorstellbar, dass Ban einmal wie Annan den Friedensnobelpreis erhält. Dabei ist auch Annan mit vielen Vorhaben gescheitert, während es Ban nicht an Ehrgeiz mangelt. Den Klimaschutz hält er für ebenso wichtig wie die Lösung der Krisen im Irak, mit Iran und Nordkorea. Seine stille Diplomatie ist erfolgreich – nur nicht publikumswirksam. Ins vom Zyklon „Nargis“ heimgesuchte Birma reisen nun Helfer ein, in der Darfurkrise hat Ban das Regime in Khartum zu Zugeständnissen gebracht. Dass jetzt der Internationale Strafgerichtshof entgegen Bans Bitte Anklage gegen Sudans Präsidenten Omar al Baschir erhebt, ist ein Schlag gegen den diplomatischen Ansatz des Generalsekretärs, sein Fehler ist es nicht.

Der zurückhaltende Asiate hat all denjenigen, die die UN ohnehin skeptisch sehen, weiter Auftrieb gegeben. Der populistische Vorschlag eines „Bündnis der Demokratien“ des republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten John McCain ist dafür nur ein Beispiel. Bisher schafft er aber kein anderes Bündnis, was die UN leisten: die Welt zusammenzubringen. Angesichts globaler Probleme und Krisen ist das wichtiger denn je. Die Mitgliedstaaten müssen sich dessen bewusst werden und die UN weiterentwickeln, statt sich von ihr abzuwenden. Frei nach Winston Churchill sind die Vereinten Nationen die schlechteste Weltorganisation, die wir haben – abgesehen von allen anderen.

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