UN-Naturschutzgipfel : Es grünt so grün

Klimawandel und Artensterben: Durch den UN-Gipfel in Bonn wurde beides verbunden. Der Welt-Naturschutzgipfel war insgesamt kein Misserfolg, auch wenn sich das Artensterben bis 2010 nicht wesentlich verlangsamen wird.

Dagmar Dehmer

Das Artensterben wird sich bis 2010 nicht wesentlich verlangsamen. Dennoch war der Welt-Naturschutzgipfel in Bonn kein Misserfolg. Die Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) hatte seit ihrer Verabschiedung beim Erdgipfel in Rio 1992 mehr oder weniger im Koma gelegen, obwohl sie von 191 Staaten ratifiziert wurde. Die Verhandlungen über Schutzgebiete, den gerechten Vorteilsausgleich bei der Nutzung genetischer Ressourcen und die nachhaltige Nutzung der Natur sind derart komplexe Ziele, dass sie schwer in Verträge zu gießen sind. Im Detail sind sie auch höchst umstritten. Umweltminister Sigmar Gabriel sprach in Bonn von einem „Schatz“, der bisher aber „keine Zinsen“ gebracht hat, weshalb viele Entwicklungsländer immer schneller „das Naturkapital“ aufzehren.

Mit dem Angebot der Bundeskanzlerin, bis 2012 weitere 500 Millionen Euro und von 2013 an jährlich eine halbe Milliarde Euro in den Urwaldschutz zu investieren, hat Angela Merkel ein starkes Signal gesetzt. Eines, das auch den Verhandlungen über einen neuen Klimavertrag einen Schub geben kann. Außerdem kann die CBD mit dem Klimaprozess verknüpft werden. Geld, das für die Speicherung von Kohlendioxid zum Schutz des Klimas fließt, darf nicht die letzten intakten Urwälder zerstören. Ihr Schutz, und damit die Bewahrung der Artenvielfalt, könnte einen großen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Schließlich stammen schon heute rund 20 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen aus der Zerstörung von Tropenwäldern und Mooren. Um zu verhindern, dass im Namen des Klimaschutzes das Artensterben weiter beschleunigt wird, müssen die Ziele der CBD beachtet werden. Gentechnisch veränderte Bäume mit unabsehbaren Wirkungen für die Ökosysteme der Welt oder „Ozeandüngung“, durch die CO2 gebunden werden soll, müssen frühzeitig ausgebremst werden. Sonst hat die Welt am Ende bloß ein paar unlösbare Probleme mehr.

Dass der Welt-Naturschutzgipfel beim gerechten Vorteilsausgleich weiter gekommen ist, dürfte den Klimaverhandlungen ebenfalls helfen. Denn bei beiden UN-Konventionen – Klima und Biodiversität – geht es um Gerechtigkeit. Und in beiden Fällen stehen die Schuldigen fest: Die verschwenderische Lebensweise und rücksichtslose Wirtschaftsweise der Industrieländer hat den Klimawandel ausgelöst und das Artensterben dramatisch beschleunigt. Lösungen sind nur möglich, wenn sich Entwicklungsländer bei der Nutzung ihrer Ressourcen, vor allem ihrer Wälder, beschränken. Das werden sie nur tun, wenn sie dafür entschädigt werden.

Nun müssen auch die anderen G-8-Staaten in ihre Kassen greifen. Das eigentliche Problem, dass die entwickelte Welt über ihre Verhältnisse lebt und so der sich entwickelnden Welt die Ressourcen für ein besseres Leben vorenthält, ist damit nicht gelöst. Für die Industriestaaten wäre es der bestmögliche Fall, wenn sie sich freikaufen könnten. Aber so billig werden sie weder beim Artenschutz noch beim Klima davonkommen.

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