• Und demnächst Sterbehilfe auf dem Bildschirm? Die Justiz muss die öffentliche Leichenobduktion überprüfen

Meinung : Und demnächst Sterbehilfe auf dem Bildschirm? Die Justiz muss die öffentliche Leichenobduktion überprüfen

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Von Gerhard Mauz

RECHTSWEGE

Es ist nicht schwer, auf die Bühne und ins Rampenlicht zu kommen. Und damit auf die Bildschirme. Denn die müssen ja darüber berichten, was auf der Bühne und an der Rampe geschah.

Vor Fernsehkameras und 650 zahlenden Zuschauern hat der deutsche Anatomieprofessor Gunther von Hagens die Leiche eines im Alter von 72 Jahren gestorbenen Mannes obduziert. Der Professor muss mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen, weil er sich über ein Verbot der Regierung hinweggesetzt hat. Doch die dürften ihn nicht beschweren, und so sprach er auch von einem „großen Erfolg".

Zur Begründung fügte er hinzu: Was er getan habe, sei rechtmäßig gewesen. Es gehe ihm um eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Tod, um eine „Demokratisierung der Anatomie".

Der britische Ärzteverband hat freilich von „respektloser Sensationshascherei" gesprochen. Und in Köln erklärte ein Sprecher der Bundesärztekammer: „Diese Art öffentlicher Sektion vor einem Laienpublikum ist mit dem Berufsbild des Arztes nicht vereinbar."

Doch Stellungnahmen wie diese haben nichts verhindert. Fast möchte man sagen: ganz im Gegenteil. Wer auf sich aufmerksam machen will, ist für jede Widerrede sogar dankbar – weil sie im Zweifel wie kostenlose Werbung wirkt.

Es ekelt schon, wie aus jeder Gelegenheit ein Geschäft gemacht wird. Die Sektion fand unter einer riesigen Reproduktion des RembrandtGemäldes „Die Anatomie des Dr. Tulp" statt. Das Schlagwort „Demokratisierung" ist der reine Hohn.

Was denn noch? Wie wäre es mit Sterbehilfe auf dem Bildschirm.

Gerhard Mauz ist Autor des „Spiegel“. Foto: Dirk Reinartz

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