Meinung : Und was mache ich jetzt?

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Von dem seltsamen Herrn Mühlegg hat man nun gar nichts mehr gehört. Stattdessen wurden beim Radsportler Vandenbroucke verbotene Substanzen entdeckt. Und im verlassenen Quartier österreichischer Winterathleten in Salt Lake City fand eine Putzfrau verdächtige, für Bluttransfusionen geeignete Gerätschaften. Auch soll ein Formel-1-Fahrer weit überhöhte Benzinanteile im Blut gehabt haben - das ist jedoch nur ein Verdacht. Aber dieser Mühlegg ... Hand aufs Herz: Wer von uns hätte je gedacht, dass sich ausgerechnet aus Eierstöcken Chinesischer Streifenhamster jene Substanz gewinnen lässt, die - dem Blut des Mühlegg beigemischt - diesen zum Olympiasieger machte? Darauf muss man erstmal kommen! Nichts assoziiert man ja bei der Betrachtung eines Hamsters weniger als Skilanglauf! (Radsport oder Marathon schon eher, jedenfalls wenn der Kleine im Käfigrad den Joschka Fischer macht.)

Ach, die Wege der Wissenschaft ... Was hat der Mensch nicht alles zu sich genommen, um schneller, stärker zu sein als andere, von Champagner bis Schießpulver, von Strychnin bis zu Steroiden, immer rein! In China gab (oder gibt?) es den General Ma Jun-Ren, der Leichtathletinnen das Blut frisch geschlachteter Schildkröten trinken ließ. Fast genau 15 Jahre ist es her, dass in Mainz die Siebenkämpferin Birgit Dressel unter brüllenden Schmerzen starb. 101 Medikamente hatte sie geschluckt, viele hundert Injektionen hatte man ihr gegeben, bis ihr Körper rebellierte. Gestern Olympia, nun Formel 1, bald wieder Radrennen: Wir sehen dem urinverstunkenen, blutbefleckten Gladiatorenzirkus immer noch zu, nicht wahr? Staunend, bewundernd, jubelnd, dann erschrocken, wenn etwas passiert.

Darbepoetin heißt der Beitrag des Streifenhamsters dazu, man spritzt es sich ins Blut oder unter die Haut, wenn man mag. Seltsamerweise fällt einem dazu eine Geschichte von Roald Dahl ein: Da füttert ein Mann namens Albert Taylor sein schon halb verhungertes Baby, das die Milch aus dem Fläschchen verweigert, mit Gelée Royale, jenem extrem nahrhaften Zeug, mit dem Bienen ihre Königin speisen. Das Baby trinkt gierig die Gelée-Milch und nimmt zur Freude der Eltern rapide zu. Schließlich offenbart Albert seiner Frau Mabel, auch er selbst schlucke Gelée Royale seit Jahren. Mit einem Schlag erkennt Mabel den Grund für eine seltsame Veränderung: den gelblich-braunen Flaum nämlich, der Alberts Körper immer mehr bedeckt. Er und die Tochter werden zu Bienen. Und Mühlegg? Zog er nicht nach Enthüllung seines Betrugs die Jacke über den Kopf? Wohnt er nun nicht im Elternhaus versteckt, unsichtbar? Was er wohl tut? Ob er schläft, von Holzwolle bedeckt? Im Laufrad einsam Runden dreht?

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