Meinung : Unheilige Allianzen

Bankenmanager und Politiker basteln an einer Vision – der Großbank von morgen

Dieter Fockenbrock

In der Geldbranche herrschen besondere Regeln: Verschwiegenheit, Zuverlässigkeit, Solidität. Das galt bis gestern. Mit dem öffentlichen Streit um die Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank haben die Damen und Herren in Nadelstreifen ein Tabu gebrochen. Ein unglaublicher Vorgang, der möglicherweise sogar den Chef des größten heimischen Geldhauses, Josef Ackermann, stürzen könnte. Hinter seinem Rücken bildet sich eine unheilige Allianz aus Politikern und Aufsichtsräten.

Zu allem Unglück hat sich der Kanzler eingeschaltet. Der war mit seiner Industriepolitik nicht weit gekommen. Meist ging es nur um Pleitekonzerne wie Holzmann oder Babcock Borsig. Deshalb kam Gerhard Schröder die Neuordnung der Bankenbranche gerade recht – zumal ihn der Bankenpräsident Rolf E. Breuer dazu regelrecht eingeladen hatte. Und das sogar öffentlich.

Beide haben eine Vision: Die Schaffung eines deutschen Banken-Champions – national verankert und global aktiv. Wie zufällig trifft es sich, dass Breuer im Nebenberuf Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank und damit Chefaufseher Ackermanns ist. Und zufällig haben die Konkurrenten Commerzbank und Hypo-Vereinsbank gerade erst einen Schwächeanfall überwunden. Sie fallen als Akteure zur Neuordnung der Bankenlandschaft vorerst aus. Als Käufer der Postbank kommen sie ohnehin nicht in Frage. Keiner von ihnen kann sechs Milliarden Euro Kaufpreis finanzieren. Kurzum: Wenn Schröder und Breuer von der Bildung eines großen nationalen Bankeninstituts träumen, dann meinen sie die Deutsche Bank.

Das riecht nach Schieberei, nach Renaissance der totgeglaubten Deutschland AG. Das erinnert an Zeiten, als hinter den Kulissen Unternehmensbeteiligungen und Firmen nach Lust und Laune verschoben wurden. Vor allem mit Hilfe der Banker. Jetzt geht es um ihre Branche.

Was die Industrie schon hinter sich hat, steht dem Geldgewerbe noch bevor: Die Rationalisierungswelle, die bislang 30 000 Arbeitsplätze bei den Banken gekostet hat, läuft jetzt erst richtig an. 2500 Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken kämpfen um jeden Kunden. Die Konjunkturflaute treibt tausende Firmen in die Pleite – und ihre Hausbanken müssen die Kredite abschreiben. Hinzu kommt: Mit 50 000 Zweigstellen gilt die Branche in Deutschland als überbesetzt und wenig effizient. Auch mit Aktienhandel und Fusionen lässt sich seit dem Ende des Börsenboms nichts mehr verdienen. Deshalb spricht alles dafür, dass Banken sich zusammenraufen müssen um Kosten zu sparen. Und deshalb ist es auch logisch, dass gerade die Postbank als Hecht im Karpfenteich so begehrt ist. Denn wer die Postbank kauft, bekommt elf Millionen Kunden mitsamt ihrer Spareinlagen. Die Deutsche Bank würde zum Spitzenreiter aufsteigen. Aber nur in Deutschland. Denn für das globale Geschäft ist die Postbank ohne Bedeutung. Schröders und Breuers Traum vom nationalen Champion ginge vielleicht noch in Erfüllung. Im globalen Wettbewerb wäre dagegen nichts gewonnen. Das entscheidende Handicap der deutschen Banken kann mit einer Postbank-Fusion nicht überwunden werden. Alle deutsche Banken sind wegen ihrer schwachen Börsenbewertung Übernahmekandidaten.

Schröders Vorstoß zur Neuordnung der Bankenlandschaft ist deshalb nur der verzweifelte Versuch, eine feindliche Attacke aus dem Ausland abzuwehren. Und sie ist Ausdruck der Hilflosigkeit hoch bezahlter Banker. Der Kanzler hat sich von Breuer, Ackermann und Co. vor den Karren spannen lassen. Erst sollte er Kontakte in die USA knüpfen, dann für das nationale Privatkundengeschäft sorgen. Er sollte sich besser heraushalten. Ihre Probleme müssen die Banker schon selber lösen. Wenn sie wieder Geld verdienen statt sich in globalen Visionen zu verlieren, dann steigt auch der Börsenkurs. Dann können sie selbst entscheiden, wie es in ihrer Branche weitergeht. Die Politik ist dafür nicht zuständig.

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