Unruhen in Bolivien : Keiner für alle

Chile lädt zum Krisengipfel. Die politischen Führer der Region wollen Hugo Chavez das Feld nicht allein überlassen.

Die Lage ist verfahren. Bolivien, politisch, wirtschaftlich und ethnisch zerrissen, steht – wieder einmal – am Rande der Unregierbarkeit. Im Streit zwischen der armen indianischen Bevölkerungsmehrheit und den rohstoffreichen, überwiegend von Weißen bewohnten Provinzen des Andenstaates sind die Fronten derart verhärtet, dass Politik als geregelte Suche nach einem Kompromiss nicht mehr stattfindet. „Wenn wir nicht als Sieger hervorgehen, müssen wir für unser Land und das bolivianische Volk sterben“, sagte Indio-Präsident Evo Morales, verfügte die Festnahme eines oppositionellen Gouverneurs und machte damit klar, dass mit einer innerbolivianischen Lösung nicht mehr zu rechnen ist. Bleibt die Hoffnung auf Hilfe von außen. Brasilien hat sich angeboten, wurde aber von Morales auf später vertröstet. Jetzt lädt Chile zum Krisengipfel. Bemerkenswert daran ist, dass die politischen Führer der Region offenbar nicht gewillt sind, Hugo Chavez das Feld zu überlassen. Der Präsident Venezuelas, der keine Chance ungenutzt lässt, Konflikte in Nachbarstaaten für seine Zwecke zu nutzen, setzt sich gern als Sprachrohr einer anti-amerikanischen Linken südlich des Rio Grande in Szene. Doch das ist er nicht. Und das haben ihm seine Kollegen, die sich wie er der Linken zurechnen, mit ihren Initiativen für eine regionale Lösung auf wünschenswerte Weise deutlich gemacht. Es gibt noch Hoffnung für den Südkontinent. mis

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