Unruhen in der arabischen Welt : Kampf mit dem Hass

14.09.2012 21:23 Uhrvon
Tunesische Demonstranten verbrennen eine US-Flagge und hissen stattdessen eine islamistische. Foto: AFP
Tunesische Demonstranten verbrennen eine US-Flagge und hissen stattdessen eine islamistische. - Foto: AFP

Wird aus dem arabischen Frühling ein blutiger Winter der Islamisten? Die aktuellen Unruhen offenbaren, dass es in der arabischen Welt weiterhin Nährboden für die Verteufelung des Westens gibt. Und das liegt auch an Versäumnissen der westlichen Regierungen.

Das hat es so auch noch nicht gegeben – dass gleichzeitig weltweit Botschaften von Demonstranten gestürmt und angezündet werden. Ein Symbol für vielerlei, und nichts Gutes ist dabei. Als Erstes bleibt wohl noch einmal festzuhalten, dass, wie Peter Scholl-Latour es nennt, aus dem Arabischen Frühling ein blutiger Winter der Islamisten werden kann. Dschihadisten, Islamisten erobern die Straße und Städte, sind auf dem Weg an die Macht. Die Ausschreitungen sind ein Signal.

Zweitens war die Begeisterung für den Aufbruch der Region so groß, dass er mancherorts romantisiert wurde.

Die westliche Vorstellung von Opposition, die friedvoll, inhaltlich wohlvorbereitet und organisiert die Regierung übernimmt, ist auf den arabischen Raum übertragen worden. Dabei will Demokratie gelernt und eingeübt sein.

Zum Dritten: Die Fackel der Freiheit, die George W. Bush im Nahen und Mittleren Osten entzünden wollte, den Hass, den Barack Obama mit seiner Kairoer Rede 2009 überwinden wollte, keines von beiden hat dazu geführt, dass die USA dort anders gesehen und von Attacken verschont würden. Ein Grund könnte sein, dass die Politik nach 2009 weder Israel und Palästinenser einer Friedenslösung nahegebracht hat, was für die gesamte Region ein kardinaler Punkt ist, noch weil mehr oder augenfällig anderes getan wurde, als zum Beispiel Libyen mit militärischer Hilfe von seinem Diktator zu befreien.

Zivilgesellschaft ist, wie das Wort bereits sagt, auch ein Konstrukt aus Zivilität und Gesellschaft. Wer das zusammenfügen will, muss zuvor die Gesellschaft durchdringen, ihren Aufbau und ihre wichtigsten Protagonisten kennen. Das ist ein Prozess – der leider so nicht begonnen hat. Deshalb auch, weil kein wirklicher Einfluss auf die innere Entwicklung möglich ist, gibt es in der Breite im arabischen Raum unverändert Nährboden für die Verteufelung des „Westens“, ob USA oder, wie jetzt, Deutschland. Das ist beunruhigend, zutiefst. Denn das lässt sich so schnell nicht ändern. Soldaten zu entsenden wäre darum die Fortsetzung einer unklugen Politik mit anderen Mitteln.

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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