Meinung : „Unser Land kann auch heute mehr“

Andreas Frost

Gegenüber Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) liegt Jürgen Seidel bei Umfragen weit zurück. Der CDU-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Mecklenburg- Vorpommern am 17. September macht sich deshalb mit Vergleichen Mut – und erinnert an den von vielen unerwarteten politischen Aufstieg einiger Parteifreunde: „Auch Angela Merkel wurde lange Zeit nicht zugetraut, Kanzlerin zu werden.“ Am heutigen Freitag soll sie zum Auftakt der heißen Wahlkampfphase in Waren an der Müritz Seidel dabei helfen, nach acht Jahren die SPD/Linkspartei-Regierung in Schwerin abzulösen.

Der 58 Jahre alte Mecklenburger und Vater von vier Kindern gilt als pragmatisch, kompromissbereit und heimatverbunden. Im CDU- internen Disput, wie viel Soziales die Partei verträgt, würde er wohl Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Rüttgers Recht geben – aber in Grundsatzfragen oder in die Bundespolitik mischt er sich selten ein. Lieber wuchert er mit seinen guten Kontakten zu Merkel.

Als Mitglied des Rates des Kreises Waren war Seidel zehn Jahre lang für Umweltschutz und Erholungswesen zuständig. Nach der Wende zog er in den Landtag ein, von 1994 bis 1998 war er erst Bau- und dann Wirtschaftsminister der CDU/SPD-Koalition. Seinen Traumjob fand er 2001. Seitdem ist Seidel Landrat des Müritzkreises. Eine Kandidaten-Such-Kommission überredete ihn dennoch, der Landes-CDU aus der Krise zu helfen und Nachfolger des umstrittenen Landesvorsitzenden Rehberg sowie Spitzenkandidat zu werden. Nun will er „mehr Gemeinsamkeit“ im Land erreichen und mehr als die jetzige Regierung mit jenen reden, die von landespolitischen Entscheidungen betroffen sind. Der angestrebte „neue Politikstil“ führt bislang jedoch dazu, dass der „liebe Landrat“ im Wahlkampf wenig polarisiert und dadurch kaum Wähler mobilisiert.

Sein Wahlziel, mit der CDU als stärkste Fraktion in den Landtag einzuziehen, könnte Seidel laut Umfragen dennoch erreichen. Zwar gewinnt die CDU demnach nicht viel zu den 31 Prozent von 2002 hinzu, aber der SPD droht ein Absturz von ihren damaligen 40 Prozent. Wenn es reicht, würde Seidel am liebsten mit der FDP regieren, aber auch eine große Koalition ist mit ihm möglich. Andernfalls bleibt Seidel wahrscheinlich Landrat. Denn „untätig“ auf der Oppositionsbank will er seine politische Laufbahn eigentlich nicht beenden.

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