Meinung : „Unsere Mission ist ein erneuertes New Labour“

Matthias Thibaut

Gordon Brown gilt als verschlossener Mensch. Er umgibt sich mit wenigen Getreuen und geht neuen Bekanntschaften aus dem Weg. Auf langen Autofahrten setzt er sich den Kopfhörer auf und hört Musik. Auch wenn seine Frau daneben sitzt.

Aber wenn er einmal spricht, gibt es kein Halten mehr. Keine Zeit für Pausen, keine leisen Töne. Der 54-Jährige redet, als stünde er auf einem Hocker an der Hyde Park Corner und müsse um jeden Zuhörer kämpfen. Auch wenn er in Brighton auf dem Labourparteitag am Pult steht und die Fernsehkameras auf ihn gerichtet sind.

Es hat wohl damit zu tun, dass er ein schottischer Pfarrerssohn ist. Irgendwie sieht man dem fleischigen Prediger mit den schwarzen Drahthaaren und den abgebissenen Fingernägeln die Strenge des calvinistischen Elternhauses an. Sparsamkeit, Pflichterfüllung, soziale Gerechtigkeit, sind seine Lieblingsthemen – wenn der Schatzkanzler nicht gerade die Liste seiner Wirtschaftserfolge herunterrasselt. Irgendwie wirkt Brown damit im hedonistischen Großbritannien irritierend unzeitgemäß.

Seit 20 Jahren steht er im Zentrum und ist doch ein Rätsel geblieben. Früher teilte er mit Tony Blair das Parlamentsbüro und krempelte die Labourpartei um. Im Kampf um die Parteiführung stellte er den eigenen Ehrgeiz zurück und ließ Blair den Vortritt. Aus Pflichterfüllung. Es war klar, dass der charmante Blair besser geeignet war, die britische Mittelklasse zu Labour zu bekehren.

Nun spricht man nur noch von der Rivalität der beiden ehemaligen Freunde. Blair verprellte seine Partei mit immer neuen Reformen und außenpolitischen Abenteuern und gewann eine Wahl nach der anderen. Brown sitzt derweil im Schatzamt und wartet. Zum Zeitvertreib entwickelte er immer neue Finanzprogramme für soziale Gerechtigkeit. Vor allem darüber sprach er auch auf dem Parteitag.

„Warten auf Gordo“, heißt ein Juxtheaterstück, das in Brighton aufgeführt wurde. Die Briten warten, Labour wartet, Brown wartet. Niemand weiß, was für einen Premier er einmal abgeben wird. Auch diese Woche sandte er wieder Signale in alle Richtungen. Die einen sehen in ihm die Hoffnung der Labourlinken. Andere sagen, politisch gehe „kein Zigarettenpapier“ zwischen ihn und Blair. Er sei eitel und könne nicht warten, bis er Premier wird, sagen die einen. Brown selbst winkte ab: Die Nachfolge sei Sache des Premiers. Ihm genüge es, als Schatzkanzler seine Pflicht zu tun.

0 Kommentare

Neuester Kommentar