Meinung : Unter uns

„Jacob und Maxe“ vom 20. November

Worüber wundern wir uns eigentlich seit Jahrzehnten? Dieses moralisch ganz offensichtlich nicht so sattelfeste Volk hat es schon in der Nachkriegszeit wehr- und klaglos hingenommen, dass viel zu viele Ex-Nazis an maßgeblichen Schaltstellen des Landes, teils noch über Jahrzehnte hinweg, ihr Unheil trieben.

So auch – ohne jeden Anflug von Lerneffekt – nach der Wende. Obwohl die Stasi fast vierzig Jahre hier wie da (in der DDR) Menschen drangsalierte, fertigmachte, versuchte ,Menschen in den erzwungenen Freitod zu hetzen (siehe beispielsweise die Mielke-Befehle von 1976 mit genauesten Anweisungen an die „Mitarbeiter“, wie sie Freunde, Verwandte, nächste Angehörige, aber auch Kollegen und Nachbarn pp. ausspionieren, sodann verraten und gegebenenfalls in den Suizid zu treiben haben) hatte dies nicht etwa die Folgen, dass nach der Wende – sowohl in Ost wie auch West – eine sensible Betrachtung der Akteure erfolgte. Vielmehr hatten diese Gelegenheit, sich in der vereinigten Bevölkerung bis (fast) zur Unkenntlichkeit zu assimilieren.

In dieser Weise ist auch der freche Spruch des Darstellers Schwill zu verstehen, dass „er es sich nicht erklären könne, aber allem Anschein nach war ich Mitarbeiter der Stasi“. Dies ganz folgenlos, unter anderem für seine berufliche Laufbahn. Man sollte vielleicht darauf sehen, wer eigentlich im Rundfunk Berlin- Brandenburg (rbb) noch das Sagen hat.

Aus ganz anderem Holz sind da andere geschnitzt: Es ist ein Fall bekannt, dass eine große Sparkassenorganisation in Potsdam gleich nach der Wende einen ehemaligen Stasi-Hauptmann als „Juristen“ einstellte, ganz offensichtlich nur zur Belauerung der später insgesamt eingestellten ca. 470 ehemaligen DDR-ler als Mitarbeiter. Dieser hatte keinerlei Funktionsbereich, denn noch im Jahre 2001 versuchte dieser, ein damals aktuelles Rechtsproblem mit dem alten DDR-Gesetzbuch (!) zu lösen. Dafür wurde er aber dazu eingesetzt, missbillige Mitarbeiter durch Mobbing (dort: Zersetzung) loszuwerden. Auch wenn es Jahre dauerte ... Dass hierdurch zugleich eine Lebens- und Erwerbsbiographie zerstört wurde, war vom Arbeitgeber sogar angestrebt.

Axel-Uwe Heyden, Berlin-Westend

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