Urlaub des Bundespräsidenten : Es ist die Reise wert

Bundespräsident Christian Wulff ist kaum im Amt und schon geht er auf Reisen. Wenn er schon in Urlaub ist, darf er dann auf Mallorca bei einem Freund Urlaub machen, der Unternehmer ist?

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Weit gereist. Christian Wulff war nicht nur in Italien. Er war auch in Brüssel bei der EU, der Nato und beim belgischen Premier und in Frankreich. Nun macht er Urlaub auf Mallorca.Alle Bilder anzeigen
Foto: AFP
01.08.2010 15:04Weit gereist. Christian Wulff war nicht nur in Italien. Er war auch in Brüssel bei der EU, der Nato und beim belgischen Premier...

Nun ist er kaum im Amt und schon macht er Urlaub? – Das war die erste Frage, die Christian Wulff treffen sollte. Die zweite: Kaum im Amt, macht er da nicht zu viele Auslandsreisen? (Er war in Brüssel bei der EU, der Nato und beim belgischen Premier, in Italien, in Frankreich, in Österreich, nicht zuletzt in Polen und auch noch in Südafrika zur Löw-Expedition.) Und jetzt die dritte, kaum im Amt: Wenn er schon in Urlaub ist, darf er dann bei einem Freund Urlaub machen, der Unternehmer ist?

Also grundsätzlich sind solche Fragen ja alle immer berechtigt. Der Bundespräsident soll respektheischend im Auftreten sein und Vorbild sowieso, darum gelten andere Maßstäbe. Aber es gelten daneben auch ganz normale, sagen wir: menschliche. Und darum ist die Sache differenziert zu betrachten. Nicht schwarz, nicht weiß, sondern grau ist die Theorie, und in der Grauzone bewegt sich auch ein Präsident.

Zunächst mal vorweg: Dass Wulff im Ausland war, war richtig. Und gut. Denn er hat eine gute Figur gemacht, hat Deutschland sympathisch repräsentiert, was seine Aufgabe ist. Dass er wichtige Länder besucht hat, Länder, die wir befreundet nennen, ist eine Selbstverständlichkeit, eine diplomatische Notwendigkeit. Wollen wir hoffen, dass Wulff demnächst auch nach Amerika reist, was sein Vorgänger in all den Jahren nicht gemacht hat.

Jetzt aber zu der Frage, mit der Wulff konfrontiert wird, offenkundig, um dem Bild vom netten Mann von nebenan weitere Kratzer zuzufügen. Wo soll der Präsident Urlaub machen? Also, für seine Freunde ist ja jeder selbst verantwortlich. Ob Carsten Maschmeyer, der den Finanzdienstleister AWD in Hannover erfunden hat und der für Gerhard Schröder als Kanzler warb, auch wirklich sein Freund ist, kann nur Wulff wissen. Aber wenn Wulff Maschmeyer seinen Freund nennt – dann darf er bei ihm Urlaub machen.

Denn erstens hat er keine Geheimveranstaltung daraus gemacht. Das ginge auch gar nicht, weil Maschmeyer mit Veronica Ferres zusammenlebt, die ein öffentliches Ereignis ist. Zweitens ist die Vorstellung, dass Maschmeyer, der AWD nicht mehr besitzt, vom Präsidenten tolle Geschäfte erwarten könnte, Unsinn. Nicht mal einfädeln könnte der sie, ohne dass das bekannt würde. Eine solche unübliche präsidiale Aktivität fiele sofort auf. Drittens: Wulff hat, Freund hin, Freund her, sogar noch etwas gezahlt für die Wohnung in dem Haus, das nebenbei auch Maschmeyers Angestellten von Zeit zu Zeit zur Verfügung steht.

Im Gegenteil, eigentlich könnte der Präsident zu seinen Gunsten anführen: Er flog samt Familie mit den Touris nach Malle, nicht mit der Flugbereitschaft der Bundeswehr. Das stünde ihm zu, wäre aber sehr teuer. Zweitens: Der Präsident muss geschützt werden. Das geht bei Maschmeyer einfach, weil das Anwesen nicht so leicht zugänglich ist. Man stelle sich den Schutz in einer Ferienanlage vor. Toll für Wulff – und die anderen Gäste.

Summa summarum: Wir sollten jetzt mal nicht kleinlich werden. Sondern uns die Kritik für wirklich wichtige Sachen aufsparen. Sonst heißt es noch, wir hätten keine Maßstäbe.

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