Urlaub : Saufen und Wanzen

Urlaub ist auch nicht mehr, was er mal war. Jetzt soll man auf Mallorca schon nicht mehr saufen können bis zum Stillstand der Augen. Ist denn das die Möglichkeit, fragt sich unser Kolumnist Helmut Schümann.

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Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Karikatur: Tagesspiegel

Urlaub, ach Urlaub. Man fiebert darauf hin, man plant, verwirft, plant neu. Ein ganzes Jahr hat man darauf hingearbeitet, tagein, tagaus, immer mit dem Ziel dieser drei Wochen vor Augen. Man freut sich. Darauf, dass einem keine Chefs mehr reinreden, dass man den Gedanken nachhängen kann, denen man nachhängen will, und das möglichst unter Sonnenschein. Urlaub, ach Urlaub. Ab nach Mallorca. Oder nach Antalya. Warum nicht mal Malle? Warum nicht mal Antalya?

Aber Urlaub ist auch nicht mehr das, was es mal war. Auf Mallorca, genauer in Magaluf, der beliebten Meile, wollen sie jetzt auch Benimmregeln einführen. Wie schon in Palma um den Ballermann herum. Ich war noch nie am Ballermann. Aber wenn ich dorthin wollte, dann doch wohl nur aus einem Grund. Den Grund haben sie schon am Ballermann verboten, den wollen sie jetzt auch in Magaluf verbieten. Also schon wieder Chefs, die einem reinreden. Man darf sich an beiden Orten nicht mehr unter freiem Himmel besaufen, ist das denn die Möglichkeit? Und von Mitternacht bis acht in der Früh gibt es auch in geschlossenen Räumen keinen Alk mehr.

Wenn Mallorca der Sinn geraubt wird, kann man gleich zu Hause bleiben. Nichtsaufen unter freiem Himmel geht auch in Wanne-Eickel oder in Spandau. Und zwischen Mitternacht und acht schlafen kann man auch in Paderborn.

Also Antalya. Auf nach Antalya. In Antalya gibt es allerdings Wanzen, wie jetzt gerade in Hannover im sogenannten Bettwanzenprozess zu Tage trat. Dass Bettwanzen der Prozess gemacht wird, war längst überfällig. Der Fall: Eine Familie war nach Antalya gereist. Dort wurde der minderjährige Sohn, laut Auskunft der Mutter, von Bettwanzen gestochen. Immerhin musste er sich nicht unter freiem Himmel besaufen. Die vermeintlich umsichtige Mutter dokumentierte die vermeintlichen Wanzenstiche per Foto, reiste samt Familie ab und verklagte den Reiseveranstalter auf 4000 Euro Schadenersatz. Für 4000 Euro kann eine dreiköpfige Familie gewiss vier herrliche Wochen unter dem freien Himmel von Wanne-Eickel verbringen.

Aber daraus wird nun nichts. Die Frau bekam nämlich nur 200 Euro zugesprochen, das reicht allenfalls für die Kosten der Fotoentwicklung. Die aufrechte Wanzenbekämpferin hatte versäumt, die Täter abzulichten. Keine Wanz, kein Schadenersatz, befand das Gericht, eine Urheberschaft der Stiche im Körper des Sohnes konnte der türkischen Wanze nicht nachgewiesen werden. Urlaub, ach Urlaub.

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