Urteil im Fall Marco : Je weniger Rummel, desto besser

Der Marco-Prozess von Antalya ist zu Ende – der Marco-Prozess von Ankara fängt an.

Susanne Güsten

Bis zu einem Urteil des türkischen Berufungsgerichtshofes im Fall des mutmaßlichen sexuellen Missbrauchs des britischen Kindes Charlotte durch den deutschen Teenager Marco werden Monate vergehen, wenn nicht Jahre. Danach landet die Angelegenheit möglicherweise noch vor dem Europäischen Menschenrechtsgericht in Straßburg, wer weiß. Eines steht fest: Der Rechsstreit wird noch lange weitergehen.

Die Verteidigung will mit ihrem Einspruch gegen das Urteil einen Freispruch erkämpfen, den ihr Mandant ihrer Meinung nach verdient hat. Marcos Anwälte hatten schon vor dem Urteil angekündigt, vor das Ankaraner Berufungsgericht zu ziehen, falls das Gericht in Antalya den Forderungen der Verteidigung nicht nachkommen sollte. Das ist ihr gutes Recht. Allerdings wird das Gezerre um Marco Weiss nun weitergehen.

Immerhin wird das nun anstehende Verfahren in Ankara weit weniger öffentlichkeitswirksam sein als der Prozess von Antalya. Akten werden hin- und hergeschickt, Papiere werden eingereicht und geprüft, spektakuläre Szenen im Gerichtssaal dagegen sind kaum noch zu erwarten - und das ist gut so. Öffentlicher Rummel schadet zwei jungen Leuten, die zwar inzwischen zweieinhalb Jahre älter sind als bei ihrer letzten Begegnung in einem Hotel in Side, die aber seitdem schon genug von ihrer Jugend verloren haben.

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