Urteil im Mordproess Morsal O. : Im Zweifel gegen die Ehre

Vielleicht musste es passieren: Am Freitag nach dem Urteil wegen „Ehrenmordes“ gegen den Bruder der Deutsch-Afghanin Morsal O. brachen sich im Hamburger Landgericht die Gefühle Bahn. Die Tat war das Ergebnis jahrelanger familiärer Konflikte, in der Gewalt, Züchtigung und archaische Rollenmuster den Alltag prägten. Hinzu trat der Faktor eines psychisch gestörten, aggressiven Bruders. Viel sprach dafür, die Tat gleichwohl „nur“ als Totschlag zu ahnden. Dennoch holte das Gericht um Rundumschlag aus – es folgte Tumult. Niemand sollte diesen Epilog einer privaten Tragödie als Clash der Kulturen missdeuten: Es war die öffentliche Implosion einer gescheiterten Familie. Dafür sind Ämter zuständig, nicht jedoch Strafrichter. Ihre Aufgabe ist, die Wahrheit u finden und schuldangemessen zu strafen. Neigte die Justiz früher fatalerweise dazu, kulturell- traditionalistische Motive mildernd zu berücksichtigen, so riskiert ein Täter, der heute noch von Ehre redet, lebenslang. Statt Balance zu halten, droht die Justiz mit den Stimmungen der Mehrheitsgesellschaft zu pendeln. Welche Strafe ist gerecht? Eine, die jenseits von Erregung, Klischees und Politisierung gefunden wird. Ob dies in Hamburg gelang, ist zweifelhaft. neu

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