Urteil zur ambulanten Pflege : Legal, illegal, ganz egal

Es herrscht viel Verlogenheit in der Debatte um die Pflege. Das beginnt damit, dass sie möglichst gar nicht geführt wird.

Rainer Woratschka

Jeder weiß, dass viele zehntausend Frauen aus Polen, Rumänien oder der Ukraine nach Deutschland gekarrt werden, um dort als billige Pflegekräfte in Privathaushalten abzutauchen. Es ist bekannt, dass die meisten dieser angeblich Selbstständigen völlig abhängig sind von ihren Auftraggebern und Vermittlern, dass sie schwarzarbeiten, von den Nachbarn nicht gesehen werden dürfen, weder Steuern zahlen noch eine Kranken- oder Unfallversicherung besitzen. Und keiner kann sich auch nur im Traum vorstellen, dass ein Deutscher, geschweige denn ein Pflegeprofi, ihren miesen 24-Stunden-Job für die gleiche miese Bezahlung erledigen würde. Das ist die eine Seite. Was ebenfalls jeder weiß, ist, dass eine Rundumbetreuung von Pflegebedürftigen in den eigenen vier Wänden schlicht unbezahlbar ist. Dass Angehörigen, die dies nicht selber leisten können, nichts anderes übrig bleibt, als sich – schlechten Gewissens – in diesen Graubereich zu begeben. Dass die ambulante Pflege in Deutschland ohne die Osteuropäerinnen zusammenbrechen würde. Alle wissen es, alle sehen weg: die Politik, die Kirchen, die Fahnder. Nun hat ein Amtsgericht festgestellt, dass das Ganze illegal ist. Wie überraschend. Bleibt die Frage, was das Urteil bewirken wird. Wir halten jede Wette: nichts. raw

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