Urteil zur Gentechnik : Grün sind wir selbst

Die Gentechnik-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts liest sich wie ein zivilreligiöses Bekenntnis zum Schutz von Mutter Natur.

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Die Republik wird grün und grüner, in politischen Umfragen und jetzt in verfassungsrichterlichen Urteilen. Die Gentechnik-Entscheidung vom Mittwoch liest sich wie ein zivilreligiöses Bekenntnis zum Schutz von Mutter Natur. Da wollten Hi-Tech-Bauern mit Hilfe von Sachsen-Anhalts Regierung die engen Grenzen lockern – und nun sind sie fast noch enger. Die Richter winkten nicht nur das Gesetz durch, sie sagen: Schlimm, wenn es nicht erlassen worden wäre. Auch am öffentlichen Gen-Acker-Register können sie wenig finden, obwohl es sich so schön missbrauchen lässt, um Saat und Felder zu zerstören. Schließlich gibt’s die Polizei, sagen die Richter. Immerhin, das sind die Töne desselben Senats, der die Vorratsspeicherung von Telekomdaten in Grund und Boden gestampft und Datenschutz zur „nationalen Verfassungsidentität“ erklärt hat. Mit einem Körnchen Salz: Genkartoffeln sind gefährlicher als Terroristen. Das mag ja, auf lange Sicht, vielleicht sogar stimmen. Doch Politik ist für Politiker, Bekenntnisse sind für Gläubige. Richter sollen urteilen, mehr nicht. Grün sind wir dann selbst.

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