US-Finanzkrise : Deutsche Banken, gute Banken

Im amerikanischen Finanzsystem herrscht eine Krise. Die deutschen Banken scheinen von der Erschütterung der Finanzmärkte weniger betroffen zu sein. Die staatlich verordnete Dreiteilung hierzulande ist stabiler als die großen Investmentunternehmen der USA.

Stefan Kaiser

Welch ein Beben! Spätestens mit der 700-Milliarden-Dollar-Hilfe durch die Regierung hat das einst so stolze Bankensystem der USA kapituliert. Die Schockwellen reichen bis nach Deutschland. Schlimmer noch: Zunächst schien es, als gingen sie von Deutschland aus. Im Sommer 2007 brachen hier die KfW-Tochter IKB und die Sächsische Landesbank zusammen – noch lange bevor es die US-Banken traf.

Seitdem hat sich das Bild umgekehrt. In den USA wurde es schlimmer, in Deutschland blieben die Schäden moderat – mit zwei Ausnahmen: den Landesbanken und der IKB. Überall dort, wo die Politik mitmischen wollte, ging es schief. Das ist kein Zufall. Parteipolitik und regionale Machtansprüche sind für viele der Missstände verantwortlich. In den Ländern verweigern sich die Ministerpräsidenten den seit Jahren fälligen Verkleinerungen und Fusionen, nur um ihre Pfründe zu wahren. In den Kontrollgremien von Landesbanken und der Förderbank KfW sitzen Politiker, die häufig weder die Zeit noch die Kenntnisse haben, um international agierende Banken zu kontrollieren. Und selbst Vorstandsposten werden bei staatlichen Banken allzu oft nach Parteibuch statt nach Eignung besetzt.

Spielregeln aufstellen

Dabei hat die Politik in den Banken nichts zu suchen. Statt sich in Geschäfte und Strategien einzumischen, sollte sie sich lieber ihrer eigentlichen Aufgabe besinnen, und allgemeingültige Regeln aufstellen, innerhalb derer sich alle Teilnehmer auf dem Markt bewegen müssen. Beides zusammen, Spielregeln aufstellen und nach den eigenen Regeln spielen, geht nicht.

Das heißt nicht, dass der Staat keine Banken besitzen darf. Im Gegenteil: Institute, die nicht dem Kapitalmarkt unterworfen sind, können vorsichtiger agieren und müssen sich nicht an kurzfristigen Renditen orientieren. Gerade die kommunal getragenen Sparkassen haben gezeigt, wie man mit regionaler Verankerung und bescheidenen Geschäftsmodellen erfolgreich durch die Krise kommt.

Staatlich verordnete Dreiteilung deutlich stabiler

Überhaupt hat sich die staatlich verordnete Dreiteilung des deutschen Bankensystems in private, öffentlich-rechtliche und genossenschaftliche Institute als deutlich stabiler erwiesen als das US-Modell der großen Investmentbanken. Selbst die lange Zeit als bieder verpönten privaten Institute wie Commerzbank oder Postbank ziehen in Krisenzeiten neidische Blicke auf sich. Viele US-Banken, die nur das große Geschäft an den internationalen Kapitalmärkten im Sinn hatten, sehnen sich nun nach der Stabilität und Liquidität, die das klassische Bankgeschäft mit Kundeneinlagen und Mittelstandskrediten den deutschen Instituten gibt. Nicht zufällig hat die bisher stark international ausgerichtete Deutsche Bank sich jüngst bei der Postbank eingekauft.

Der deutschen Wirtschaft könnte dies alles am Ende wenig nutzen. Zwar geben die Banken und Sparkassen hierzulande bisher noch fleißig Kredite an die Unternehmen. Wenn aber die US-Wirtschaft kippt und den Rest der Welt mit in eine Rezession zieht, wird auch das kein Schutz mehr sein.

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