Meinung : US-Militärstrategie: Chinesische Indianer

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Auf diese Metapher muss man kommen! Amerikas neue Militärstrategie sei wie der Eisenbahnbau, frohlockt ein konservativer US-Kommentator. Mitte des 19. Jahrhunderts mussten die Siedler weit draußen im Westen vor Angriffen der Indianer geschützt werden. Deshalb wurden eine Menge Forts gebaut. Was wenig half. Die Kavalerie kam meistens zu spät. Da waren die Siedler schon tot. Der Eisenbahnbau drehte das Blatt. Die Truppen wurden schneller, mobiler. Bald wurden die Indianer in die ewigen Jagdgründe geschickt. Wen George W. Bush in die ewigen Jagdgründe schicken will, ist noch unklar. Aber sein Verteidigungsminister ist fest entschlossen, die Streitkräfte radikal umzubauen. Schneller, leichter, mobiler, moderner und präziser soll alles werden. Denn die Kriege, an die wir uns gewöhnt haben - Kosovo, Bosnien, Haiti, Ruanda, Ost-Timor -, glaubt Amerika in Zukunft nicht mehr führen zu müssen. Intensiv wappnet sich das Land gegen neue Gefahren, die etwas nebulös mit Begriffen wie Cyber-Terrorismus, Nuklear-Erpressung oder unakzeptable Militärprovokation umschrieben werden. In der US-Armee selbst, die Veränderungen traditionell hasst, werden diese Pläne für eine Menge Unruhe sorgen. Und auch außerhalb Amerikas wird sich die Begeisterung in Grenzen halten. Vielleicht fragen sich ja bereits die Chinesen, ob künftig sie womöglich die Indianer Amerikas sein werden.

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