Meinung : US-Präsidentenwahl: Verlierer Gore

cvm

Al Gore hat die Präsidentenwahl verloren. Nicht an den Urnen. Ein manuelles Nachzählen aller Stimmen könnte ihm doch noch den Sieg bescheren - in Florida und damit in den USA. Denn dafür müssten nur ein paar Hundert Wahlzettel anders bewertet werden: Wahlzettel, die nur angestanzt worden sind oder sonstwie aus der Computer-Norm fallen, die man also mit guten Gründen so oder so auszählen kann. Doch Al Gore hat den Kampf gegen die Zeit verloren. Denn der war vor allem ein Werben um die öffentliche Meinung. Auch die Gerichtsverfahren dienten hauptsächlich diesem Zweck. Mit der ablaufenden Zeit wanderte der schwarze Peter von George W. Bush zu Al Gore. Zu Beginn der Wahlanfechtungen sah sich Bush mit dem Vorwurf konfrontiert, er wolle so schnell wie möglich Präsident werden, der Wählerwille interessiere ihn nicht. Da konnte Gore noch klarmachen, ihm gehe es um Fairness, um den Respekt vor der Entscheidung jedes einzelnen Bürgers. Und so lange hatte er in den Augen der Öffentlichkeit ein gewisses Recht, die Feststellung des amtlichen Wahlergebnisses aufzuhalten. Inzwischen aber glaubt eine Mehrheit der Amerikaner zu spüren, dass es auch ihm nur um die Macht geht - so sehr, dass er dafür bereit ist, Amerika Schaden zuzumuten. Immer mehr Demokraten entziehen Gore den Rückhalt für weitere Prozesse. Er hat den Augenblick verpasst, in dem sich das Eingeständnis seiner Niederlage in einen politischen Sieg ummünzen ließ.

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