US-Präsidentschaft : Bushs dritte Amtszeit

Ein Präsident McCain könnte das politische Projekt seines Vorgängers vollenden. Seine Vision: Schon in seiner ersten Präsidentschaft wird der Irak erblühen und die Mehrheit der Truppen heimkehren.

Stephan-Andreas Casdorff

George W. Bush vs. Barack Obama. Das klingt nach Boxkampf, und ein wenig ist es auch so. Der Präsident hat den Präsidentschaftskandidatenkandidaten angegriffen, hart und böse und clever. Ohne Namensnennung, die kam erst mit dem Dementi, aber mit Absicht in Israel, und zwar wegen „Appeasement“- Politik gegenüber dem Iran. Wie einst ein US-Senator gegenüber Hitler zur Nazizeit.

Dieser Schlag zeigt: Bush sieht in Obama den, der für die Demokraten seine Nachfolge antreten soll. Den will Bush rechtzeitig schwächen. Denn für die Zukunft geht es um den Kandidaten seiner Partei, den Republikaner John McCain – aber noch mehr um ihn selbst, um das, was ihn überdauern soll.

Es entbehrt nicht der Ironie, dass Bush für McCain antritt. Wie hat er ihn bekämpft, als der Senator von Arizona seinerzeit antrat, um selbst Kandidat und Präsident zu werden! Der parteiinterne Wahlkampf der Truppe um Bush gegen den Kriegshelden, der so lange in der Gefangenschaft des Vietkong war und versehrt, aber ungebrochen zurückkam, war schmutzig. Wahlkämpfe sind nie harmonische Veranstaltungen in den USA, doch der war besonders. Er war noch gemeiner als der von Vater Bush gegen den Demokraten Michael Dukakis. Er sollte McCains Reputation zertrümmern, mit üblen Nachreden.

McCain verlor, damals. Aber er ist wieder da, der „Maverick“, der Außenseiter, hat es zur Kandidatur geschafft. Dass ihn die Evangelikalen ablehnen, die Bewunderer des missionarischen Bush, hat die Partei nicht daran gehindert, ihm zuzustimmen. Zu sagen, dass Bush und McCain ihren Frieden miteinander gemacht hätten, wäre nicht ganz die treffende Assoziation. Einer wie McCain wird nicht vergessen. Doch ist er zu lange im Politikgeschäft, um nicht zu wissen, dass er Bush für die ganz Rechten im Land brauchen kann.

Aber Bush, und das ist die Pointe, braucht ihn eben auch. Ausgerechnet dieser John McCain kann vollenden, was Bush als seinen von Gott gegebenen Auftrag ansieht: die Welt von Tyrannis zu befreien, ganz besonders den Irak. McCain ist ein Experte, weiß, was Militär kann und was nicht, hat einen Sinn für Realitäten. Seine Vorhersagen, was den Irak betrifft, stimmten bisher. Nun erklärt er zu seiner Vision, dass in seiner Präsidentschaft, der ersten, der Irak erblühen und die Mehrheit der Truppen heimkehren wird. Man stelle sich vor: McCain als Erbe Bushs, nicht als Konkursverwalter, sondern als Sachwalter. So kann es sogar kommen – wenn McCain Präsident wird. Bush weiß das. Er kennt McCains Stärke. Dazu kennt er dessen neokonservative Grundhaltung. Die macht es ihm wesentlich einfacher, als die Europäer denken, für den Kandidaten einzutreten. Mag der weniger beten, seine Gegner sollten es tun. So hart ist McCain.

Und wenn er dann der 44. Präsident der USA wäre, der alles daransetzte, seine Vision zu erfüllen – dann wäre es die Mission des George W. Bush gewesen, die sich erfüllt hätte. Der 43. Präsident würde eine Ikone der Konservativen wie Ronald Reagan. Auch ihm würden sie nachsagen, ein Seher gewesen zu sein. Und ein Steher noch dazu. Halleluja.

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