US-Präsidentschaftswahl : Obama in Gefahr

Noch haben Obama und die Demokraten in Umfragen zur Präsidentschaftswahl die Nase vorn. Doch Mitt Romney könnte dem amtierenden Präsidenten gefährlich werden.

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Der Präsident im Fokus. Barack Obama im Suchfinder einer Kamera im Januar 2012.
Der Präsident im Fokus. Barack Obama im Suchfinder einer Kamera im Januar 2012.Foto: AFP

Der Wettlauf zwischen einem Humpelnden und einem Hinkenden kann durchaus spannend sein. Zumal es in diesem Fall um das wichtigste Amt der Welt geht – die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten von Amerika. Barack Obama verteidigt es. Allen Umfragen zufolge ist er jedoch schwach. Die Staatsschulden sind drückend, die Arbeitslosigkeit ist hoch, Obamas Popularitätswerte dümpeln auf niedrigem Niveau vor sich hin.

Wenn die Frage lautet „Für wen werden Sie im November stimmen – für Obama oder einen anonymen republikanischen Herausforderer?“ –, befürwortet eine Mehrheit der Amerikaner den Republikaner. Dumm nur, dass Obama die Nase vorn hat, sobald es konkret wird. Gegen jeden real existierenden Republikaner würde der Demokrat nach derzeitigem Stand gewinnen.

Das gilt auch für den klaren Favoriten, den ehemaligen Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney. Sollte nicht noch ein Wunder geschehen – und Wunder sind in Amerika nie ausgeschlossen –, wird Romney wohl schon bald als Präsidentschaftskandidat der konservativen Opposition feststehen.

Der konservativen Opposition? Da fängt das Problem an. Romney ist nicht sehr konservativ. Weder strömt er die ideologische Kompromisslosigkeit der Tea-Party-Anhänger aus noch die christlich-moralisierende Haltung vieler Evangelikaler. Eigentlich ist er nur eins: nicht Obama. Das ist zu wenig, um jene Leidenschaft zu entfachen, die sich in Stimmabgabe umsetzt. Romney trägt ein massives Mobilisierungsmanko mit sich herum.

Doch halt! Ganz so einfach ist es nicht. Zum einen trägt auch Obama an der Mobilisierungsbürde. Viele Wahlversprechen, die seiner linksliberalen Klientel wichtig waren, hat der Präsident nicht gehalten, von der Schließung Guantanamos bis zur Machtbeschränkung des Finanzwesens. Die Truppen aus dem Irak hat er zwar abgezogen, dafür aber das militärische Engagement in Afghanistan verstärkt. Und was für seinen Wahlkampf vielleicht am bittersten ist: Gegen einen radikalen Republikaner hätte er sich inhaltlich abgrenzend profilieren können, eine Polarisierung hätte ihm genützt.

Doch dafür eignet sich Romney nicht, der auch aus Sicht vieler unabhängiger Wähler „electable“, also wählbar, ist. Überdies dürfte die Phase der extrem konservativen Erneuerung der Republikanischen Partei langsam vorbei sein. Der Furor der Tea-Party-Anhänger verbraucht sich mit der Zeit. Wenn es wirklich ernst wird, könnte der politische Pragmatismus der Republikaner wieder stärker werden als ihr Dogmatismus. Noch gehen viele Vorwahlstimmen an konservative Charismatiker und fulminante Redner. Sobald aber Romney als Kandidat feststeht, können dessen Werte erneut steigen.

Außerdem ist er der Einzige aus dem Feld der Republikaner, der sich unbeschwert von dem Verdacht, selbst ein politisches Risiko zu sein, die Bilanz von Obama vorknöpfen kann. Romney wird die Aversionen gegen den Amtsinhaber ins Zentrum seines Wahlkampfes stellen. Denn Wahlen werden zumeist nicht aus Liebe für einen neuen Kandidaten entschieden, sondern aus Überdruss an dem alten. Weil schwer zu sehen ist, was Obama dem entgegensetzen kann, kann dieses Jahr in der Tat höchst aufregend werden. Ein Humpelnder gegen einen Hinkenden: Stolpern darf keiner von beiden!

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