US-Rückzug : Nur die Drohnen bleiben in Afghanistan

Barack Obama beginnt den Rückzug aus Afghanistan – weil die Erfolge bescheiden sind. Der Krieg, der nun schon fast zehn Jahre dauert, ist in den USA ähnlich unpopulär wie in Deutschland.

von
Unbemannt: US-Drohnen stehen in Afghanistan zum Einsatz bereit.
Unbemannt: US-Drohnen stehen in Afghanistan zum Einsatz bereit.Foto: dpa

An diesem Mittwoch wird Barack Obama seine Pläne für Afghanistan verkünden. Sie geben auch die Richtung für den Bundeswehreinsatz vor. Da gilt die Bündniszusage „Gemeinsam rein, gemeinsam raus“.

Im Juli 2011 beginne der Rückzug und 2014 soll er abgeschlossen sein. Das hatte der Präsident versprochen, als er Ende 2009 eine Verstärkung um 33 000 Mann auf insgesamt über 100 000 Soldaten verkündete. Der Krieg, der nun schon fast zehn Jahre dauert, ist in den USA ähnlich unpopulär wie in Deutschland. Der Terrorangriff vom 11. September 2001 ist zwar unvergessen. Aber die Bürger fragen, ob es nicht preiswertere Möglichkeiten gebe, sich vor einer Wiederholung zu schützen, als diesen Militäreinsatz ohne sichtbare Siege und absehbares Ende.

Seit annähernd zehn Jahren sterben US-Soldaten in Afghanistan. Mehr als hundert Milliarden Dollar investieren die USA jedes Jahr in die Stabilisierung und den Wiederaufbau, ohne nachhaltige Erfolge zu sehen. Die Wähler finden, man solle das Geld besser für Arbeitsplätze, Bildung und Gesundheit in Amerika ausgeben. So gewinnt allmählich das Lager die Oberhand, das glaubt, man könne die Terrorgefahr durch Gruppen, die von Afghanistan und anderen „Failed States“ aus Anschläge gegen westliche Staaten planen, auf billigere Weise abwehren. Es stimmt wohl: Geheimdienstaufklärung und ferngesteuerte Drohnen kosten weniger als der Einsatz zehntausender Soldaten fern der Heimat. Der Erfolg bei der Fahndung nach Al-Qaida-Chef Osama bin Laden und seine Tötung in einer Spezialoperation scheint diesem Lager recht zu geben. Freilich steigt auch das Risiko von Irrtümern und der Tötung Unschuldiger, wenn man auf solche Formen der Terroristenjagd aus der Ferne per Knopfdruck setzt.

Noch hält Obama an der Strategie fest, die auch Deutsche und andere Europäer favorisiert hatten. Das Ziel war, nicht nur die Taliban zu stürzen und die Al-Qaida-Terroristen zu töten. Sondern man wollte zugleich Afghanistan auf die Beine helfen, damit es nie wieder zum Gastland von Terrororganisationen wird. Das war, erstens, gut gemeint und klang, zweitens, überzeugend: kein Herumdoktern an den Symptomen, sondern eine Therapie, die bei der Wurzel ansetzt – der Instabilität Afghanistans nach dreißig Jahren Bürgerkrieg.

Die Erfolge sind bescheiden. Weder Amerika noch Deutschland können das ignorieren. Es ist Zeit, dass die Nato-Truppen den Rückzug beginnen und die Afghanen mehr Verantwortung für ihr Land übernehmen. Obama zeigt bemerkenswerte Geduld, obwohl sich die Wahl 2012 rasch nähert und der unpopuläre Einsatz ihn Stimmen kostet. Er wird fürs Erste nur wenige tausend Mann abziehen. Er lässt den Militärs die Mittel, um weiter an der Stabilisierung zu arbeiten. Das gibt dem Land mehr Zeit, um die Taliban an den Verhandlungstisch zu bringen. Man muss hoffen, dass es gelingt. Denn die Alternative – Terroristenjagd per Geheimdienst und Drohnen – ist wohl billiger, wird Afghanistan aber auch keinen Frieden bringen.

10 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben