US-Vorwahlen : Die Getriebene

Hillary Clinton sucht eine Strategie, mit der sie wieder ins Rennen gegen Obama kommt. Dabei müsste sie aber zu einer Methode greifen, die nahe an einer Schmutzkampagne liegt.

Christoph von Marschall

Die US-Präsidentenwahl 2008 ist noch lange nicht entschieden. Noch nicht einmal die Kandidatenfrage. Aber plötzlich sieht es überraschend schlecht aus für Hillary Clinton. Sie und ihre Berater suchen energisch nach einer Strategie und nach einer Wahlkampfbotschaft, die sie zurück ins Rennen bringen und auch wieder siegen lassen.

Sie hat ihre Wahlkampfchefin Patti Solis Doyle gefeuert. Das soll ihre Entschlossenheit dokumentieren und die Außenwelt beeindrucken. Einen Kurswechsel bedeutet das noch nicht. Sonst hätte sie nicht eine ähnlich enge und langjährige Vertraute wie Maggie Williams an ihre Stelle gesetzt. Im Rückblick war es ein Fehler, als selbst ernannte Favoritin und unvermeidliche Kandidatin in das Wahljahr zu gehen. Aber da sind auch noch Persönlichkeitsunterschiede, die gegen sie und für ihren Konkurrenten sprechen. Clinton spaltet das Land, Barack Obama hat ein versöhnliches, integrierendes Auftreten. Hillary bedeutet für zu viele die Sehnsucht nach der guten alten Zeit unter Bill Clinton oder gar eine Wende rückwärts. Obama verheißt Generationswechsel, Zukunft, neuen Stil.

Und nun verliert sie auch noch in Serie: Louisiana, Nebraska, Washington State, Maine. Zuvor hatte sie am Super Tuesday keinen klaren Vorsprung bei den Delegiertenstimmen erringen können. Das war der psychologische Wendepunkt. Dann folgten die Hiobsbotschaften über die Finanzlage und die Umfragen: Ihre Wahlkampfkasse ist schlechter gefüllt als Obamas. Und gegen den Republikaner John McCain würde er gewinnen, sie dagegen verlieren.

Wie kann sich Clinton aus dieser Negativspirale befreien – und wann? Der Terminkalender ist ihr nicht hold. Es wäre eine Sensation, wenn sie heute in Maryland, Virginia und Washington DC siegt. Es scheint, als hätten die Clintons diese Vorwahlen bereits abgeschrieben. Der nächste große Wahltag ist der 4. März mit den gewichtigen Staaten Texas und Ohio sowie Rhode Island und Vermont. In Texas kann sie auf die Hispanics setzen, in Ohio auf die weiße Arbeiterschaft – beides treue Wähler.

Aber um sie in Massen an die Urnen zu locken, müssten die Clintons zu einer Methode greifen, die nahe an einer Schmutzkampagne liegt: Sie müssten Barack Obama als „schwarzen Kandidaten“ hinstellen, der angeblich nur die Interessen der Afroamerikaner vertritt, und verdeckt an die latenten Rassenvorbehalte der Hispanics und der weniger gebildeten weißen Arbeiter appellieren.

Rein rechnerisch kann dieses Kalkül aufgehen, das haben die bisherigen Vorwahlen in New Hampshire, Nevada und Kalifornien gezeigt. Aber Hillary würde einen hohen politischen Preis dafür bezahlen. Sie würde den Respekt der Schwarzen für die Clintons aufs Spiel setzen und die Demokratische Partei spalten. Viele fänden eine solche Strategie abstoßend. Selbst wenn sie so Barack Obama abfängt – es würde ihre Siegchancen in der Hauptwahl reduzieren. Mit einer gespaltenen Partei und ohne die Schwarzen kann sie McCain erst recht nicht besiegen.

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