US-Vorwahlen : Hillary Clinton muss ans Eingemachte

Es klingt wie ein Witz. Hillary Clinton will plötzlich ein „Underdog“ sein. Das behauptet ausgerechnet die Frau, die den Wahlkampf von Beginn an als Favoritin geführt hat, der die Nominierung früher oder später automatisch zufalle. Im US-Wahlkampf wird Hillary Clinton Opfer ihrer eigenen Strategie.

Christoph von Marschall

 Ihr neues Kalkül ist verständlich. Amerika liebt die Sieger. Noch mehr aber liebt es Überraschungssieger, die erst Außenseiter waren. Nur, wer nimmt ihr das ab – Underdog Clinton? Hahaha!

Den Clintons ist das Lachen längst vergangen. Sie spüren, dass sich die Druckverhältnisse im Duell gegen Barack Obama verändern. Noch sind es kleine Anzeichen, keine machtvolle Stimmungswende. Es ist gut möglich, dass sie sich zurückkämpft in die Favoritenrolle, wie zu Jahresbeginn. Da hatte Obama die erste Vorwahl in Iowa überraschend deutlich gewonnen. Fünf Tage später, in New Hampshire, siegte sie.

Diesmal jedoch summieren sich mehrere Faktoren zu einer spürbaren Dynamik. Die Zeit arbeitet für Obama, er hat die größere Kriegskasse, und selbst die Entscheidung über den republikanischen Gegenkandidaten begünstigt ihn. Mehr als die Hälfte der US-Staaten hat bereits abgestimmt, wer in der Hauptwahl im November antreten soll, aber das Rennen bei den Demokraten ist immer noch offen. Am Super Tuesday hatten sich Clinton und Obama Siege und Delegiertenstimmen relativ ausgeglichen geteilt. Psychologisch lässt ihn das stärker aussehen – weil er nicht verloren hat. Clinton wollte zu diesem Zeitpunkt längst einen uneinholbaren Vorsprung haben. Jede weitere Vorwahl, die er dranbleibt oder gar gewinnt, nährt die Zweifel an ihrer Favoritenrolle.

Auch bei der finanziellen Planung hatte Hillary offenbar darauf gesetzt, dass nach dem 5. Februar alles klar ist. Nun gab sie preis: Sie musste ihrer Kampagne fünf Millionen Dollar aus dem Privatvermögen leihen, um erfolgreich über den Super Tuesday zu kommen. Bis Obama kam, galten die Clintons als beste Geldsammelmaschine der USA. Auch hier wurde sie Opfer ihrer Arroganz. Sie hatte sich auf Großspender konzentriert, die die gesetzlich erlaubte Maximalsumme von 2300 Dollar für die Vorwahl und 2300 Dollar für die Hauptwahl spenden – und weitere reiche Freunde haben, die das ebenfalls tun. Obama lebt von Kleinspenden seiner Massenbewegung im Internet. Mehr als 650 000 Menschen haben 25, 50 oder 100 Dollar gespendet, zum Teil mehrfach. Sie dürfen weiter geben, Clintons Spender nicht mehr. Im Januar 2008 erhielt Obama 32 Millionen Dollar, Clinton nur 13. In den ersten 48 Stunden nach dem Super Tuesday flossen ihm sieben Millionen Dollar im Internet zu, ihr nicht mal halb so viel.

Seit der konservative Kandidat feststeht, John McCain, überlegen die Demokraten zudem, wer eher gegen ihn gewinnen kann. Nach aktuellen Umfragen würde Obama gegen McCain gewinnen, Clinton dagegen verlieren. Die Republikaner wünschen sich Hillary als Gegenkandidatin. Sie spaltet das Land, nichts kann die rechte Basis besser mobilisieren. Dynamik, Geld und Siegchancen: Auf einmal spricht mehr für Obama als für sie.

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