US-Vorwahlen : No, we can’t

Katerstimmung nach Pennsylvania: Die US-Demokraten zerlegen sich im Vorwahlkampf.

Christoph von Marschall

Begeistert sind die Demokraten ins Wahljahr 2008 gegangen, mit dem Gefühl, dass sie ein Dreamteam ins parteiinterne Rennen um die Kandidatur schicken. Als Triumphzug stellten sie sich den Weg zur Hauptwahl im November vor. Nun herrscht Katerstimmung. Viel zu lang dauert der Streit zwischen Hillary Clinton und Barack Obama schon. Die Begeisterung ist verflogen, der rüde Ton der Auseinandersetzung spaltet die Anhängerschaft.

Das Dreamteam ist zur Belastung geworden. Je länger sie sich keilen, desto größer wird die Furcht der Demokraten, den sicher geglaubten Triumph über die Republikaner zu verspielen. Das Vorwahlergebnis in Pennsylvania verstärkt den Frust. Clintons Sieg mit zehn Prozent Vorsprung wirkt nur von ferne wie ein klarer Erfolg über Obama. Tatsächlich haben alle beide in Pennsylvania verloren: gegen John McCain.

Clinton reichen die zehn Prozent Abstand nicht, um zurück ins Rennen um die Kandidatur zu finden. In der entscheidenden Machtwährung, den Delegierten für den Parteitag, führt Obama weiter haushoch, mit rund 140. Dank Pennsylvania kann sie netto 15 Delegierte aufholen. Einholen wird sie ihn in den verbleibenden neun Vorwahlen nicht. Sie darf noch ein paar Wochen weiter humpeln.

Auch ihre Hoffnung, dass die Superdelegierten die Vorwahlen konterkarieren und sie statt Obama nominieren, ist nicht gewachsen. Die Superdelegierten messen sie an ihrem Potenzial in Pennsylvania: Der Sieg dort war ihr sicher, schon wegen der Sozialstruktur mit vielen Arbeitern und Alten. 15 bis 20 Prozent hatte sie vor der heißen Wahlkampfphase geführt. Obamas Auftritte haben sie auf zehn Prozent Vorsprung zurückgedrängt.

Aber auch er bietet kein Bild eines strahlenden Favoriten. Er lahmt ebenfalls. Abermals hat sich bestätigt, dass er bei einfachen Bürgern nicht punktet. Und dass er die großen, symbolischen Staaten nicht gewinnt. Unter der Oberfläche spielt die Rassen- und die Klassenfrage eine größere Rolle, als die USA sich eingestehen wollen. Clintons scharfe persönliche Angriffe zeigen Wirkung. Die Republikaner werden bei der Hauptwahl im Herbst mit ähnlich verunglimpfenden Parolen den Erfolg suchen.

Alles in allem ist das Ergebnis in Pennsylvania das denkbar schlechteste für die Demokraten. Obama wirkt geschwächt – nicht im Vergleich mit Clinton, sondern mit McCain. Hillary hat die Zweifel verstärkt, ob er siegen kann. Aber gleichzeitig ist sie keine überzeugende Alternative für die Superdelegierten, weil die Zweifel an ihren Siegchancen noch größer sind.

Schlimmer für die Partei: Der Wettlauf der Hinkenden und des Lahmenden wird noch Wochen dauern. Clinton räumt das Feld nicht freiwillig, auch wenn sie nicht mehr gewinnen kann. Und Obama führt zwar im Rennen um die Nominierung fast uneinholbar. Doch wann immer sich die Gelegenheit bot, ihrer Kandidatur den tödlichen Schlag zu versetzen, scheiterte er: in New Hampshire, in Ohio und Texas, nun in Pennsylvania. Schlechte Aussichten für den Kampf ums Weiße Haus.

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