US-Vorwahlkampf : Clinton und Obama: Wenn zwei sich streiten

Der andauernde Vorwahlkampf der US-Demokraten könnte sie die Präsidentschaft kosten. Wer soll antreten: Hillary Clinton oder Barack Obama? Das Ringen der Basis mit sich selbst beunruhigt die Parteispitze.

Ein Kommentar von Christoph von Marschall

Die Anhänger der Demokraten könnten im siebten Himmel sein. Endlich schaut die Basis wieder mit Begeisterung einer Wahl entgegen. Man sieht es an der Rekordbeteiligung bei den Vorwahlen. Staat für Staat ist sie mindestens anderthalb bis zwei Mal so hoch wie üblich. Zwei Drittel der Wähler stimmen bei den Demokraten über den Wunschkandidaten ab, nur ein Drittel bei den Republikanern.

Die Demokraten möchten Geschichte schreiben, indem sie die erste Frau zur Präsidentin oder den ersten Schwarzen zum Präsidenten machen. Sie ringen mit sich, am liebsten hätten sie beide: Hillary Clinton wegen ihrer Erfahrung und den jugendlich-frischen Barack Obama, weil sie ihm zutrauen, mehr zu verändern.

Doch dieses lange Ringen der Basis mit sich selbst beunruhigt die Parteispitze. Nur eine(r) kann am Ende Kandidat(in) werden. Für die Führung ist es eine Horrorvorstellung, dass der immer längere und immer schärfere parteiinterne Wahlkampf die Partei spaltet. Wenn die Demokraten zerstritten in den Nominierungsparteitag Ende August und die nachfolgende Hauptwahl gehen, laufen sie Gefahr, zum dritten Mal in Folge gegen die Republikaner zu verlieren.

Mehrfach in der US-Geschichte ist das passiert – das abschreckendste Beispiel ist der Parteitag im Wahljahr 1968 in Chicago. Drinnen bekämpften sich der Vizepräsident und Vietnamkriegsbefürworter Hubert Humphrey und der Kriegsgegner Eugene McCarthy. Draußen brannten Barrikaden und lieferte sich die Polizei Straßenschlachten mit Demonstranten. Im Herbst gewann der Republikaner Richard Nixon die Wahl.

Insgeheim hatten viele gehofft, dass der Favorit, also Obama, nach elf Siegen in Folge auch Texas gewinnen und Clinton zur Aufgabe zwingen werde. Doch sie fühlt sich nach ihrem klaren Erfolg gestärkt und will nun bis in den Nominierungsparteitag hinein kämpfen. Viele Demokraten empfinden es als Drohung. Sie hat keine realistische Chance mehr, die Mehrheit der gewählten Delegierten zu erringen. Sie setzt darauf, dass sie und ihr Mann Bill genug Einfluss im Parteiapparat haben und dass die Superdelegierten, die ihre Stimme bei der Nominierung ihrem Amt verdanken, ihr zum Sieg verhelfen, gegen das Votum der Vorwähler.

Bei den Republikanern dagegen steht der Kandidat nun fest: John McCain. Sie können sich ungestört auf den Herbstwahlkampf vorbereiten. Man darf sicher sein, dass sie jede unfreundliche Bemerkung zwischen Clinton und Obama und jeden herabsetzenden TV-Werbespot als Munition für den Hauptwahlkampf im Herbst speichern.

Diese negativen Angriffe, man muss es leider sagen, gehen zum Großteil von Hillary Clinton aus. Obama bemüht sich um Fairness, als Frontrunner will er schon jetzt präsidial erscheinen. Aber weil es nun so aussieht, als habe Clinton ihren jüngsten Erfolg ihren Kämpferqualitäten zu verdanken, wächst der Druck auf beide, zu härteren Methoden zu greifen. Das würde Wähler abschrecken, die derzeit noch begeisterte Fans der Demokraten sind.

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