US-Wahlen : Romney holt auf

Noch vor acht Wochen hätte niemand auf Mitt Romney gewettet. Inzwischen liegt der Republikaner in den Umfragen fast mit Barack Obama gleichauf. Warum er die Wahl im November gewinnen kann.

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Siegerlachen? Jedenfalls zur Zeit gut Lachen. Mitt Romney liegt in den Umfragen beinahe gleichauf mit Amtsinhaber Barack Obama. Foto: dpa
Siegerlachen? Jedenfalls zur Zeit gut Lachen. Mitt Romney liegt in den Umfragen beinahe gleichauf mit Amtsinhaber Barack Obama.Foto: dpa

Die Welt sieht plötzlich ziemlich freundlich aus für Mitt Romney. Am Dienstag hat er die Zahl von 1144 Delegierten erreicht, die er für die Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikaner benötigt. In den Umfragen gegen Präsident Barack Obama holt er auf. Sein Werben um Wahlkampfspenden ist erfolgreich. Und so darf er sich beim Blick auf die Präsidentschaftswahl am 6. November auf der Siegerstraße sehen.

Was für einen Unterschied doch acht Wochen ausmachen können! Anfang April galt Romney vielen noch als mutmaßlicher Verlierer. Im Wetthandel setzten 62 Prozent auf Amtsinhaber Obama und nur 36 Prozent auf ihn. Romney befand sich damals in einem erbitterten Kampf mit drei innerparteilichen Rivalen um die Kandidatur. Das abstoßende Bild, das sie boten, lenkte davon ab, dass auch Obama in den Augen der Wähler erhebliche Schwächen zeigt und die Zeiten, in denen mehr als 50 Prozent der Bürger seine Politik unterstützen, schon lange vorbei sind.

Doch zunächst richtete sich die Skepsis gegen Romney. Die Konkurrenten warfen ihm vor, er sei kein glaubwürdiger Konservativer, denn er habe seine Position zu ideologischen Kernfragen wie Abtreibung, Homo-Ehe und der Freiheit des Waffentragens immer wieder geändert. Sie attackierten ihn auch mit Vorwürfen, die man eher von den Demokraten erwartet hätte: Er sei ein herzloser Investmentmanager, der bei der Sanierung kriselnder Unternehmen Jobs vernichtet habe.

So bot die Partei ein Bild der Zerrissenheit. Der Enthusiasmus der Basis, dass man mit Romney oder einem der anderen Bewerber Obama besiegen könne, war gering. Zudem waren die gegenseitigen Angriffe so hart, dass Romneys Ansehen litt. Nur 35 Prozent der Amerikaner hatten damals ein positives Bild von ihm, 50 Prozent ein negatives. Ein Ende dieser selbstmörderischen Auseinandersetzung war Anfang April nicht abzusehen. Im schlimmsten Fall drohte sie sich bis zum Nominierungsparteitag Anfang September hinzuziehen. Romney hatte zwar einen beträchtlichen Vorsprung bei den Delegierten für die Nominierung erzielt. Aber die Konkurrenten gaben nicht nur nicht auf – sie kündigten an, sie wollten bis zum Parteitag im Rennen bleiben. Diese Aussicht konnte Romneys Chancen gegen Obama vollends zunichte machen. Erstens würde er seine Zeit, seine Energie und die vielen Millionen Wahlkampfspenden weiter in das Ringen um die Kandidatur investieren müssen, statt endlich den Kampf gegen Obama aufzunehmen. Zweitens würde sich der Imageschaden noch vergrößern. Über die Kandidatenaufstellung entscheidet im Wesentlichen die konservative Basis. Im Werben um deren Stimmen trieben Romney & Rivalen sich immer weiter nach rechts. Damit machte er sich unattraktiv für die Wähler der Mitte, und die geben in der Hauptwahl gegen Obama den Ausschlag.

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