USA : Here is a dream

Und wenn Obamas Wahl das Ende der weißen Dominanz wäre? Dann wären die USA frei.

Stephan-Andreas Casdorff

Noch ist es nicht so weit, noch nicht. „But the times, they are a changin’“, singt Bob Dylan, und er hat verdammt recht. Barack Obama (auf dessen Playlist Dylan auch mal irgendwo stand) hat die USA schon durch sein bloßes So-Sein, sein Da-Sein, sein Im-Amt-Sein bereits verändert, doch es kann noch mehr werden. Im Land und darüber hinaus.

Der Wandel, der sich einstellen könnte, ist dann nicht zu überschätzen, wenn sich Obama nicht überschätzt. Will sagen: Wenn er keine miserable Präsidentschaft abliefert. Womit nach den gefühlten ersten hundert Tagen, die er als „President Elect“ die Geschicke des Landes neben „President Defect“ George Bush lenkt, niemand rechnet. Wo doch selbst Republikaner aus Florida, dem Staat, der den Demokraten einst die Präsidentschaft stahl, finden, dass er sehr überlegt und umsichtig vorgeht.

Der Wandel ist buchstäblich zu sehen. Die Ehrentribünen, die Paraden zu Obamas Amtsantritt und davor, nie war der Anteil der Afroamerikaner, der hispanischen Amerikaner, der Chinoamerikaner, der Native Americans, also der Indianer, größer. Die Weißen scheinen schon in die Minderheit geraten zu sein, über Nacht.

Natürlich stellen sie in jedem Zensus immer noch die Mehrheit, deutlich vor den anderen ethnischen Gruppen. Nur: Die Bevölkerung wächst insgesamt, das aber nicht bei den Weißen, sondern vor allem bei den Hispanischstämmigen. Die Afroamerikaner haben inzwischen ihre Symbolfigur gefunden, Präsident Obama steht in seiner Person für ihre wirkliche Befreiung. Das davor waren notwendige Schritte: das Ende der Sklaverei unter Präsident Lincoln, die Präsidentschaft Kennedys mit den Stichworten Freiheit und Verantwortung.

Je offener nun Obama die Pluralität unterstützt, je weniger er sich einer Farbe, seiner Farbe bedient, desto größer wird die Möglichkeit, dass seine Präsidentschaft zum Wendepunkt in der amerikanischen Geschichte wird: weil danach wirklich alle Bevölkerungsgruppen, gleich welche, den Präsidenten stellen können. Nach einem Schwarzen ein Latino als 45. Präsident? Das wirkt heute, einen Tag nach der triumphalen Amtseinführung Obamas nicht mehr wie ein ferner Traum.

Und auch das, das Ende der weißen Dominanz, hätten die Vereinigten Staaten George W. Bush zu verdanken, der in Gestus und Habitus den weißen Durchschnittsamerikaner alter Prägung verkörpert. Oder immer zu verkörpern versucht hat, um „Joe Average“ an sich zu binden. Bush muss es selbst gespürt haben, so, wie er auf die Wahl Obamas reagiert hat. Von ihm stammt ein nachdrücklicher Hinweis auf die weitreichende Bedeutung. Richtig, und Bush hat sie, die möglicherweise weitreichendste Veränderung, in Gang gesetzt. Wie apart. Und am Ende steht – ja, das Ende des Gedankens an Rassentrennung.

Das alles bliebe in seiner Wirkung nicht auf die USA beschränkt. Die offene, freiheitliche Gesellschaft würde in einer Weise an Attraktivität gewinnen, dass den undemokratischen bange werden dürfte. Dazu bedarf es Obamas „Change, we can believe in“. Ein bisschen Glaube gehört dazu.

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