USA und Iran : Frühlingsboten im Herbst

Es riecht nach Tauwetter in New York: nach einem politischen Frühling zwischen den USA und dem Iran bei der UN-Generalversammlung. Die neue Atmosphäre kann Öffnung ermöglichen. Syriens Chemiewaffen sind der Testfall.

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34 Jahre lang herrschte Eiszeit, seit der Islamischen Revolution und der Besetzung der US-Botschaft in Teheran 1979. In den jüngsten acht Jahren war schon gar nicht an Annäherung zu denken. Der Iran hatte einen Präsidenten Ahmadinedschad, der jeden Auftritt bei den Vereinten Nationen nutzte, um Hass zu predigen. Das ist vorbei. Sein Nachfolger Hassan Ruhani wirbt um Dialog.

Nun soll man sich nicht überbordende Hoffnungen machen. Zum Händedruck zwischen Ruhani und Barack Obama wird es so rasch nicht kommen. Es ist im Übrigen der Iran, der betont, so weit sei man noch nicht. Die Außenminister Mohammed Sarif und John Kerry reden nicht bilateral miteinander, sondern nur im Kreis der „5 plus 1“, die seit langem – und bisher vergeblich – nach einer Lösung des Atomkonflikts suchen.

Doch die neue Atmosphäre kann Öffnung ermöglichen. Die groben Linien eines Kompromisses zeichnen sich seit geraumer Zeit ab. Der Iran wird nicht auf die Urananreicherung verzichten, könnte aber einer verlässlicheren Überwachung zustimmen. Diese diplomatischen Avancen können eine Finte sein, um Zeit zu gewinnen. Zeit für den Bombenbau mit reduzierter Gefahr eines Militärschlags, denn wie sähe das aus, wenn Amerikaner oder Israelis bombardieren, wo man doch endlich miteinander redet? Und doch ist es den Versuch wert. Beide Seiten haben lernen müssen, wie teuer sie die Gesprächsverweigerung kommt. Die Mullahs verlieren an Rückhalt in der Bevölkerung, und nun drohen ihnen die letzten außenpolitischen Verbündeten abhandenzukommen. Obama braucht vorzeigbare Erfolge, dass die Eindämmung von Massenvernichtungswaffen ohne Krieg gelingen kann. Syriens Chemiewaffen sind der Testfall. Russland und der Iran haben es in der Hand, ob daraus ein Erfolgsmodell wird – oder ein abschreckendes Beispiel, aus dem die USA und Israel die Lehre ziehen, dass sie eben doch eingreifen müssen.

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