USA und Iran : Trick? Finte?

Dass der Iran und die USA direkt über das Atomprogramm verhandeln wollen, wird lanciert und gleichzeitig dementiert. Das ist entweder ein guter Trick oder eine miese Finte.

Malte Lehming

Soll der Iran die Wiederwahl Barack Obamas bewirken? Das wäre pikant. Doch der Reihe nach: Am Samstag berichtete die „New York Times“ unter Berufung auf hochrangige Mitarbeiter der US-Regierung, dass der Iran zum ersten Mal zugestimmt habe, mit den USA direkt über sein Atomprogramm zu verhandeln. Auf Wunsch Teherans solle das aber erst nach den Präsidentschaftswahlen geschehen. Das Weiße Haus dementierte umgehend den gesamten Bericht. Doch die Zeitung blieb bei ihrer Nachricht. Wer nun recht hat, kann von außen keiner beurteilen. Daher ist Skepsis angebracht. In gut zwei Wochen wird in Amerika gewählt. In Umfragen liegen Barack Obama und Mitt Romney gleichauf. Heute treffen sie sich zu ihrem letzten TV-Duell. Es geht um Außen- und Sicherheitspolitik. Irans Atomprogramm ist das heikelste aller Themen. Bei jeder Meldung, die lanciert und gleichzeitig dementiert wird, gilt die Regel: Haften bleibt immer etwas. Und so drängt sich ein Verdacht auf: Möchte Obama den Eindruck erwecken, allein mit ihm sei das Problem diplomatisch zu lösen, während sein Kontrahent die Region mit einem weiteren großen Krieg überzieht? Dann wäre die lanciert-dementierte Meldung, je nach politischem Standpunkt, entweder ein guter Trick oder eine miese Finte.

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