USA : Von Bush zu Obama...

...und zurück: Was den 44. und den 43. US-Präsidenten eint.

Malte Lehming

Er ist unerfahren, jung, wirkt aber frisch. In seinen Reden schwingt das Pathos eines Predigers mit. Er verspricht, die Grabenkämpfe des Establishments zu überwinden, will das Amt pragmatisch und überparteilich führen. Er verlangt, dass wieder Moral und Anstand einkehren ins Weiße Haus. Schließlich kommt er an die Macht, wird Präsident der letzten wirklichen Supermacht. Sein Regierungsteam beeindruckt, es sind politische Schwergewichte mit herausragender Vita darunter – und auch Latinos, Schwarze, Frauen. Das Kabinett ist so unterschiedlich wie das Land selbst. Es weht ein Wind des Wandels.

Das war vor acht Jahren. Der 43. US-Präsident hieß George W. Bush. Frappierend sind die Ähnlichkeiten mit seinem Nachfolger, der in knapp vier Wochen inauguriert wird. Zumindest die in der Anfangszeit, denn mehr gibt Barack Obama ja noch nicht her. Nur eine Parallele sticht bereits ins Auge: Beide Präsidenten werden plötzlich und früh mit einer neuen, großen Krise konfrontiert, die sie bewältigen müssen, ohne auf Rezepte oder erprobte Strategien zurückgreifen zu können.

Sie sind auf sich allein gestellt, müssen ihrem Instinkt oder ihren Beratern vertrauen, sich ein Urteil bilden, handeln. Was für Bush die Terroranschläge vom 11. September 2001, ist für Obama die globale Finanz- und Wirtschaftskrise.

Wie Bush auf „Nine-Eleven“ reagierte, ist bekannt. All das, was ihm heute angekreidet wird – der „Krieg gegen den Terror“, Irak, Guantanamo, Abu Ghraib –, hat seinen Ursprung in den emotionalen Nachbeben jener Zeit, dieser Mischung aus Demütigung, Schock und Wut, von der die große Mehrheit der Amerikaner erfasst war (die Versäumnisse nach Hurrikan „Katrina“ komplettieren das Negativbild). Heute sitzt die Enttäuschung über Bush dermaßen tief, dass die positiven Aspekte seiner Amtszeit meistens unerwähnt bleiben, ja beschwiegen werden.

Als da wären: der Kampf gegen Aids, Bush erhöhte die Ausgaben von 200 Millionen auf sechs Milliarden Dollar, viele Patienten in Afrika wurden mit Medikamenten versorgt (Bob Geldof meint, Bush habe sich „mehr als jeder andere Präsident“ um Afrika gekümmert); die Unterstützung religiöser Organisationen, die Sozialhilfe leisten (Obama will an diese Initiative anknüpfen); das Kurshalten im Irakkrieg gegen alle Widerstände; die Stabilisierung des amerikanisch-chinesischen Verhältnisses, das unter Bill Clinton oft gestört war; die Aufnahme strategischer Beziehungen zu Indien; die Ernennung von Colin Powell und Condoleezza Rice, zweier Afroamerikaner, die es auch für Republikaner normaler werden ließ, dass Schwarze in den USA hohe Ämter bekleiden (in gewisser Weise war Bush der Wegbereiter für Obama).

Die Taten des Präsidenten müssen korrelieren mit der Herausforderung, vor der er steht: Das war Bushs Glaubenssatz nach dem 11. September. Je ärger das Verbrechen, desto härter die Strafe. Nur das erklärt, warum jener kühne, waghalsige, verrückte Gedanke, ein durchs Militär erzwungener Demokratieexport in die arabische Welt reduziere die Gefahr des radikalen Islamismus (von Kabul nach Bagdad), in Washington rasch viele Anhänger fand.

Think big. Dasselbe Korrelationsgefühl wie Bush treibt heute offenbar Obama an. Und was vor sieben Jahren die Neokonservativen, sind nun die Keynesianer (aus dem Superfalken Richard Perle ist der Princeton-Ökonom Paul Krugman geworden). Ein zweites 700-Milliarden-Dollar-Paket will Obama schnüren (die Bush-Regierung hat bereits ein 700-Milliarden-Rettungspaket bereitgestellt). Der Staat müsse massiv investieren, heißt es, um der Wirtschaft einen Adrenalinstoß zu geben. Die gigantische Verschuldung sei als eine Art „Kollateralschaden“ in Kauf zu nehmen. Ob die Rechnung aufgeht, ist heute so unklar wie einst, als der Irakkrieg begann.

Daher: Möge Obama mehr Glück haben als Bush! Denn auch das spielt in die Bilanz einer Amtszeit mit hinein – Glück.

0 Kommentare

Neuester Kommentar