USA-Wahlen : Die gespaltenen Staaten von Amerika

10.09.2012 15:44 Uhrvon

Die Parteitage mit ihren Politshows sind vorbei - hochprofessionell und kurzweilig waren sie. Aber eines sind sie ganz und gar nicht: Aufklärerisch. Denn die Shows sind auch viel Blendwerk. Die Fronten zwischen Demokraten und Republikanern aber sind so unversöhnlich wie zuvor – die Polarisierung hat sich weiter verstärkt.

Ein außergewöhnliches Wahljahr

Staatliche Fürsorge ist für Konservative Freiheitsberaubung, weil sie den Empfängern den natürlichen Drang zu Eigeninitiative und Selbsthilfe nimmt und sie abhängig von der Bürokratie macht. Typisch dafür war die Hauptangriffslinie der Republikaner gegen Präsident Barack Obama. Der hatte kürzlich betont, ein Privatunternehmer dürfe sich nicht rühmen, seine Firma allein aufgebaut zu haben. Er habe auch von staatlichen Leistungen profitiert: Bildung, Infrastruktur – und, nicht zu vergessen, vom Fleiß der Angestellten: „You didn’t build that.“ Die Republikaner zitieren Obama voll Zorn – und setzten den Slogan dagegen: „You did build that!“

Fotostrecke: Obama vs. Romney im US-Wahlkampf

Europäer haben mehr Verständnis für die Demokraten. Deren Entwurf liegt näher am Sozialstaatsmodell der Alten Welt. Deckungsgleich ist er aber nicht. Obama sagte in seiner Rede, der Staat solle nur Menschen helfen, die zuvor Bereitschaft zur Selbsthilfe zeigen.

Was haben die beiden Großveranstaltungen bewegt? Haben sie Wechselwähler zum Umdenken animiert? Nein, nach ersten Umfragen zu urteilen, war das diesmal nicht der Fall. Seit Monaten herrscht ein statistisches Patt zwischen Obama und Herausforderer Mitt Romney. 2012 ist ein außergewöhnliches Wahljahr. Die Polarisierung hat sich verstärkt. Es gibt kaum Bürger, die zur Wahl gehen wollen, sich aber noch nicht für einen Kandidaten entschieden haben. Und die große Gruppe der Nichtwähler – mehr als 40 Prozent – lässt sich durch Parteitage nicht dazu bewegen, ihr Stimmrecht zu nutzen. Doch selbst in diesem Ausnahmejahr haben die aufwendigen Shows ihre Berechtigung. Sie mobilisieren die eigene Basis, schärfen den Sinn dafür, dass Amerika vor einer Schicksalswahl steht. Wann konnte man das – ohne zu übertreiben – zuletzt in Deutschland sagen?

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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