Meinung : Vatikan: Würden und Bürden

M.G.

Post aus Rom, der Papst schreibt den Deutschen - selten ein Anlass zur Freude. Adressaten seines Mahnschreibens sind alle neu ernannten Kardinäle, gemeint aber ist Karl Lehmann, Chef der Deutschen Bischofskonferenz. Vor einer Woche noch vom katholischen Deutschland enthusiastisch gefeiert, versuchen seine kurialen Gegner nun, ihm eine härtere innerkirchliche Gangart abzuverlangen. Mit den Warnungen vor einer falschen Ökumene schlägt Rom für den gemeinsamen Kirchentag 2003 in Berlin offiziell die Grenzpflöcke ein. Beim Thema Ehe zwischen Homosexuellen ist der Kirchenspitze das katholische Auftreten vor Ort zu zaghaft. Und im Blick auf die Enzyklika Humanae Vitae möchte Johannes Paul II. die abweichende Königsteiner Erklärung der deutschen Oberhirten aus der Welt geschafft sehen. Der Kölner Kardinal Meisner spielt, wie beim Austritt aus der Schwangerenberatung, auch hier die papsttreue Vorhut. Lehmanns Fest ist verklungen. Jetzt wird die Kardinalswürde zur Kardinalsbürde.

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