Meinung : VEB Luft

Die Krise bei Airbus zeigt, dass Regierungen sich aus der Wirtschaft heraushalten müssen

Moritz Döbler

In einem normalen Unternehmen hätte sich der Chef vor die Belegschaft gestellt, Zahlen genannt, von unvermeidlichen Einschnitten gesprochen und an die Solidarität der – verbleibenden – Mitarbeiter appelliert. Man hätte ihn ausgepfiffen und zu Streiks aufgerufen. Vielleicht hätte er am Ende trotzdem Erfolg gehabt und den Wert des Unternehmens gesteigert.

So ungefähr hatte es sich Airbus- Chef Louis Gallois – er ist noch kein halbes Jahr im Amt – für Dienstag vorgenommen. Doch die deutsche Politik stoppte ihn, sein Auftritt fiel aus. Und dann verkündete nicht er die Zahl der abzubauenden Stellen, sondern wiederum die Politik, der französische Regierungschef Dominique de Villepin nämlich. Und die deutsche Regierung widersprach eiligst.

Doch wer nur diesen grotesken Vorgang kritisiert, greift zu kurz. Man mag es einst für eine gute Idee gehalten haben, der US-Luftfahrtindustrie Konkurrenz zu machen. Man mag es sinnvoll finden, dass europäische Staaten einem Unternehmen auf die Sprünge helfen, um so für mehr globalen Wettbewerb zu sorgen. Doch selbst wenn man diese ordnungspolitische Sünde akzeptiert – allerspätestens im Jahr 2003, als Airbus mehr Flugzeuge auslieferte als Boeing, hätte das Ende der Einmischung besiegelt werden müssen. Wer den größten Flugzeughersteller der Welt subventioniert, darf sich über die Staatsunternehmen Russlands und Chinas nicht beklagen.

Inzwischen ist Airbus nicht mehr die Nummer eins; Boeing ist wieder da. Und der deutsche Staat redet wieder mehr mit, überlässt Frankreich nicht das Feld. Als Daimler- Chrysler seinen Anteil beim Airbus-Mutterkonzern EADS verringern wollte, musste die Parität der beiden Staaten konserviert werden, um jeden Preis. Direkt stieg die Bundesregierung zwar nicht ein, aber das Kanzleramt zimmerte ein halbstaatliches Konsortium zurecht, das nun eine Rendite fordert: die möglichst vollständige Erhaltung der Standorte Hamburg, Bremen, Nordenham, Stade, Varel, Laupheim und Buxtehude.

Mit vernünftiger Unternehmensführung hat das nichts zu tun – genauso wenig wie das Staunen über die schiere Größe des A 380 eine ökonomische Kategorie ist. Die Airbus-Ingenieure könnten vermutlich auch ein vierstöckiges Flugzeug bauen. Und Singapore Airlines oder Emirates würden blind ordern. Doch es geht eben nicht nur um Technik oder Umsatz, sondern um Gewinn. Beim A 380 fällt der nun nicht ab dem 270. Flugzeug an, sondern erst ab dem 420., heißt es inzwischen. Hoffentlich lässt sich wenigstens diese Zahl halten.

Louis Gallois bleibt die Rolle des ohnmächtigen Zuschauers. Am Freitag besprechen sich Jacques Chirac und Angela Merkel, im April wird in Frankreich gewählt, dann bald in den deutschen Airbus-Ländern Bremen, Niedersachsen und Hamburg. Sicher ist, dass Airbus in den Fängen der Politik bleibt – die damit dem Unternehmen schadet und letztendlich Arbeitsplätze in Amerika sichert.

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