Meinung : Verdi: Langer Anlauf, offenes Ende

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Die fünf Verdi-Gewerkschaften haben die letzte Hürde genommen, die größte Reform der deutschen Gewerkschaften ist formal besiegelt. Nun beginnt der Härtetest in der Wirklichkeit. Bislang haben sich die Fusionspartner mit sich selbst beschäftigt: Welche Struktur bekommt Verdi, wer entscheidet über Budgets und Posten? Der Entstehungsprozess von Verdi hat viel Kraft gekostet und hätte beinahe die ÖTV zerrissen. Ob sich die Mühe gelohnt hat, ist keineswegs ausgemacht. Die Größe allein macht nicht attraktiv; Mitgliederbetreuung und -werbung sind noch lange nicht ausreichend. Ungeklärt ist die Zusammenarbeit mit den Industriegewerkschaften, die keineswegs auf Mitglieder aus Dienstleistungsbranchen verzichten wollen. Da wird es noch ein Hauen und Stechen geben. Das muss nicht schlecht sein: Etwas Wettbewerb kann nicht schaden und hilft womöglich Verdi auf die Sprünge. Vielleicht auch inhaltlich, denn bislang ist nicht klar, wofür Verdi steht. Links gibt es die IG Metall, rechts die IG Bergbau, Chemie, Energie. Doch Fragen gibt es genug: Wie weit darf der Flächentarif geöffnet werden? Sind kollektive Regelungen bei der Verkürzung der Arbeitszeit noch sinnvoll? Soll die Mitarbeiterbeteiligung forciert werden? Verdi wird Erfolg haben, wenn sie neue Antworten auf alte Fragen findet.

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