Meinung : Vergänglichkeit der Schönheit

„Die Recher von Kreuzberg“

vom 6. November

So schön sich diese Aktion vordergründig anhört, verdeckt sie aber nur den Blick darauf, dass zugunsten einer einseitigen Ausrichtung auf Denkmalschutz einer der schönsten Friedhöfe Berlins wie auch ein wunderbarer Biotop mit über 50 Vogelarten in den letzten Jahren sinnlos zerstört wurde. Unter dem Vorwand der Bewahrung historischer Grabdenkmäler fanden auf den Friedhöfen in der Bergmannstraße in den letzten Jahren massive Vegetationsentfernungen statt, die den Friedhöfen nicht nur ihre Seele genommen, sondern ihnen auch als Orte der Besinnung und Trauer geschadet haben. In Fortsetzung dieses Ordnungswahnes ist nun diese Entlaubungs- und Unkrautentfernungsaktion einzuordnen, die nur dazu dient diesen wunderbaren Ort weiter zu verunstalten. Herbstlaub hat ökologisch eine ganz wichtige Schutz-, Isolier- und damit auch Überlebensfunktion für Pflanzen und viele Tierarten, die im Laub oder im Erdreich überwintern. Und auch das sogenannte Unkraut bildet mit seinen Samen im Winter eine wichtige Nahrungsquelle für viele Vögel. Schon allein aus diesen Gründen sollte das Laub den Winter über liegen bleiben. Aber auch ästhetische Gründe sprechen dafür, da Laub natürlicher und schöner aussieht als kahl gerechter nackter Boden.

Ich bin kein Gegner von Denkmalschutz, aber zu einem historisch relevanten Friedhof gehören auch die historischen alten Pflanzen, die im Laufe der Jahrzehnte die Grabdenkmäler umrankt und begleitet haben. Erst das Zusammenspiel der alten Bepflanzung und der historischen Grabsteine wie auch Ausdrücke der Vergänglichkeit der Natur – in diesem Fall das die Böden bedeckende Laub – gibt den Friedhöfen ihren Flair und ihre Würde. Denkmalschutz in Einklang mit Tier- und Naturschutz würden den Friedhöfen als Gesamtensemble bei Weitem besser stehen und attraktiver machen als diese widersinnige Aktion und die schon entstandenen kahlen Grabsteinreihen. Dass Friedhöfe zudem ganz wichtige und unersetzliche Rückzugsgebiete für unzählige Tierarten bedeuten – gerade in der Großstadt – sollte als Argument ausreichend genug sein, dem offensichtlich vernachlässigten Naturschutz mehr Priorität einzuräumen.

Tamara Schmitt, Berlin-Kreuzberg

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