Meinung : Vergebliche Vergabe

BEHÖRDENCHEF GERSTER IN BEDRÄNGNIS

-

Florian Gerster tritt die Flucht nach vorne an. Er will den umstrittenen Vertrag mit der Berliner Medienagentur WMP auflösen. So einfach kann der Chef der Bundesanstalt für Arbeit die Zweifel an diesem Etatposten allerdings nicht ausräumen. Die Rechtmäßigkeit des Vertrags muss geprüft werden, egal ob Gerster die Zusammenarbeit mit dem WMPBerater Bernd Schiphorst vorzeitig beendet oder nicht. Entscheidend ist nicht, ob die Bundesanstalt ein paar Euro weniger an WMP zahlen muss. Mit der Aufregung über die Höhe der Honorare ist die Kritik an den Spesenausgaben des BA-Chefs zurückgekehrt. Aber über seine Zukunft entscheiden wird die Frage, ob Gerster sich wissentlich über das Vergaberecht hinweggesetzt hat. Ihm und seinen Mitarbeitern ist bekannt, dass eine Behörde Aufträge in Millionenhöhe nicht einfach so vergeben kann. Ein entsprechendes Handbuch liegt als Dienstanweisung in seinem Hause vor. Das kleine juristische Hintertürchen, das Gerster sich offenhält, klingt wenig überzeugend. Warum sollte es plötzlich im Frühjahr so „eilbedürftig“ gewesen sein, gegen das Negativimage der Behörde anzukämpfen? Im Prinzip ist es ja richtig, den Umbau der Mammutbehörde mit 90 000 Mitarbeitern kommunikativ zu begleiten. Aber der Vorgang ist durch Gersters Vorgehen zum PR-Desaster geworden. Insofern ist es nur konsequent, wenn auch die WMP mittlerweile bereit ist, den Vertrag mit der Bundesanstalt aufzulösen. Unter solchen Umständen erfolgreich zu kommunizieren, ist schlichtweg unmöglich. ce

0 Kommentare

Neuester Kommentar