Meinung : Vergesst Härte

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Die Jugend ist schlecht, das wusste man schon in der Antike, aber die Nachrichten von früher sind nicht die Nachrichten von heute: Dass Jugendliche in Gruppen einen Wehrlosen über Monate quälen, sexuell misshandeln, demütigen, wie es an einer Hildesheimer Berufsschule geschehen ist. Dass ein junger Mann wie kürzlich in Berlin Großmütter tötet, weil er Berufskiller werden und wissen wollte, wie sich das anfühlt. Da hält man den Atem an. Strafen, na klar. Nur wie? Die übelsten Schläger aus Hildesheim müssen ins Gefängnis, keine Bewährung wie sonst oft bei Jugendlichen. Die Härte ist angemessen – aber kein Patentrezept. Wer glaubt, im Zellenmuff widerführe dem Delinquenten ethische Erweckung, der irrt. Knast ist gerade bei jungen Leuten nur gut, um sie aus dem Verkehr zu ziehen. Für die Zeit danach kann man nur hoffen – und auf erzieherische Maßnahmen setzen. Die sollten das A und O des Jugendstrafrechts bleiben. Die Union unternimmt derzeit im Bundesrat den Versuch, das zu ändern. Menschen wie der Berliner Mörder etwa, Heranwachsende also bis 21 Jahren, sollen nach dem schärferen Recht Erwachsener verurteilt werden. Das mag in jenem Fall wünschenswert gewesen sein, nur hüte man sich, ihn zu verallgemeinern. Junge Menschen kommen immer früher in die Pubertät und werden dennoch immer später reif. Grenzen zeigen, tönt es immer. Das kann ein Richter nicht, er kann nur deren Überschreitung ahnden. Grenzen zeigen, das ist unser aller Job. neu

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