Meinung : Verhindertes Lernen

„Teure Analphabeten“ vom 21. Oktober

An alle Abgeordneten des Berliner Abgeordnetenhauses: Nehmt diese Anregung auf und beschließt einen Untersuchungsausschuss zur katastrophalen Lage an den Berliner Schulen. Man mag es nicht glauben: 25 Prozent der Viertklässler können nicht altersgerecht richtig lesen und rechnen. Was ist da für eine politische Schuld durch alle Schulsenatoren angehäuft worden, getrieben vermutlich durch Abgeordnete, die in der Reform an sich schon das Heil zu finden meinen. Eine systematische Aufarbeitung der Versäumnisse und der unausgegorenen Reformen ist dringend erforderlich. Dass es viel besser geht, zeigen die Länder Bayern, Sachsen und Thüringen. Warum bei uns nicht? Das von Herrn Schwarz und meinetwegen auch von Herrn Wowereit zu verantwortende Desaster beim Flughafen ist zu reparieren, die Vernachlässigung unserer Kinder durch die Schulpolitik nicht. Das wäre die wirkliche Chefaufgabe.Jens Krause, Berlin-Grunewald

Als Pädagogin möchte ich Ihnen, Herrn Martenstein, bei den Ursachen für das schlechte Abschneiden der Berliner Viertklässler widersprechen. Zunächst sollte man bedenken, dass die getesteten Berliner Viertklässler schlicht ein halbes Jahr jünger waren als die in den anderen Ländern. Berlin schult seine Erstklässler seit einigen Jahren früher ein als jedes andere Bundesland. Das allein verzerrt die Ergebnisse der Studie schon erheblich. Sie fordern mehr Leistungsorientierung. Was die Grundschüler betrifft, ist der Leistungsdruck aber gerade extrem erhöht worden – eben durch die Früheinschulung. Plötzlich mussten fünfeinhalbjährige, nicht schulreife Kinder die Leistungen bringen, die früher erst Sechsjährigen abverlangt wurden. Das war für viele eine Überforderung – und die verhindert Lernen. Genau das rächt sich im heutigen Ranking. Kein Kind lernt das Lesen durch Leistungsdruck. Es braucht Zeit und bessere Methoden.

Swantje Goldbach, Berlin-Zehlendorf

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