Verkehrsdebatte : Tempo 30 für ganz Berlin: Nehmt Fahrt raus!

07.01.2012 11:31 Uhrvon
Tempo 30 in ganz Berlin könnte die Stadt sicherer und lebenswerter machen. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Tempo 30 in ganz Berlin könnte die Stadt sicherer und lebenswerter machen. - Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Nervige Aggro-Radler auf Berliner Straßen! Nervige Bevorzugung des Autos bei der Stadtentwicklung! Verkehrsprobleme gibt es viele - mit flächendeckenden Tempo-30-Zonen ließen sie sich lösen.

Wer vom Auto reden will, darf vom Fahrrad nicht schweigen. Kaum ein Thema regt unsere Leserinnen und Leser mehr auf und an als der Alltagskonflikt auf zwei oder vier Rädern. Das zeigen die Klick- und Kommentarzahlen auf unserer Online-Seite, wenn wir einen Text zum Thema veröffentlichen. Als hier an dieser Stelle kürzlich der wunderbare Rant – so nennt man im Internet einen sehr subjektiven, zugespitzten, oft erfahrungsgesättigten Kommentar – des Kollegen Ralf Nestler über Aggro-Radler erschien, gab es 200 Kommentare.

Viele davon verwiesen im Gegenzug auf das aggressive Verhalten vieler Autofahrer – bis hin zu der Einlassung, dass solange die gesamte Stadtentwicklung auf die Bedürfnisse der Autofahrer ausgelegt sei, es zwingend zum Radfahrer-Ethos gehöre, sich nicht an Regeln zu halten, die aus dem Geiste dieser Fehlplanungen geboren wurden.

Das Dilemma ist: Nestler hat recht – und die meisten der Leserinnen und Leser, die das Autofahrer-Unwesen und das Primat des Kraftfahrzeugs aus Radler-Sicht kritisieren, haben es irgendwie auch. Das Hauptproblem dabei liegt meiner Ansicht und täglichen Erfahrung nach in der Geschwindigkeit, und damit naturgemäß zuallererst beim Auto. Ich beeile mich hier einzufügen, dass ich selbst gern Auto fahre, keinesfalls zu den Anhängern der Ökodiktatur gehöre und als bekennender, wenn auch parteienferner Liberaler jede Form von Überregulierung aus Prinzip ablehne. Aber Chancengleichheit ist auch ein wichtiges liberales Prinzip. Darwinismus jedenfalls hat mit Liberalismus nichts zu tun. Und unser Straßenverkehr ist in weiten Teilen darwinistisch strukturiert. Das Recht des Stärkeren herrscht. Sein Ausdrucksmittel ist die Geschwindigkeit, die Handlungs- und Bewegungsspielräume des einzelnen Menschen einengt. Man muss dauernd auf der Hut sein, um nicht in Sekundenbruchteilen zum Täter oder zum Opfer zu werden.

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