Meinung : Verlierer aller Klassen

Von Moritz Döbler

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Auf den ersten Blick klingt das super: Unter den zwei bis drei Jahre alten Autos hat der TÜV bei deutschen Modellen die wenigsten Mängel festgestellt: Der Opel Meriva siegt, gefolgt vom Ford Fusion. Eine deutsche Doppelspitze – und das mit zwei ziemlich kleinen Autos. Die deutschen Autobauer können also doch mehr, als Luxusschaukeln und Spritschleudern zu bauen, möchte man meinen.

Leider steht genau das im aktuellen Streit um die Abgase infrage. Die europäische Autoindustrie hatte sich darauf verpflichtet, den Kohlendioxidausstoß bis 2008 auf 140 Gramm pro Kilometer zu senken. Wer nicht hören will, muss fühlen – EU-Umweltkommissar Stavros Dimas will nun den Grenzwert bis 2012 auf sogar 120 Gramm drücken. Kaum ein Auto könnte da derzeit mithalten: Selbst viele Kleinwagen liegen deutlich drüber, und der Porsche Cayenne Turbo stößt satte drei Mal so viel Kohlendioxid aus.

Deutschland, einig Autoland – es ist kein Wunder, dass der Grenzwerthammer bei EU-Industriekommissar Günter Verheugen und in der Bundesregierung auf wenig Gegenliebe stößt. Zwar ist Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) dafür, aber Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) eisern dagegen, und die Kanzlerin laviert mittendrin. Nett sei es von den Herstellern nicht, dass sie ihre Versprechen brächen, sagt Angela Merkel und fügt listig hinzu: Man müsse die Vorgaben eben nach Autoklassen staffeln.

Das könnte von ihrem Vorgänger sein, das klingt nach Autokanzlerin. Denn im Klartext heißt das: Die anderen, die vor allem kleine Autos bauen – die Franzosen, Italiener, Spanier – sollen die Abgaswerte ebenso senken müssen wie die Deutschen mit ihren dicken Autoquartettsiegern. Folgerichtig wäre das nicht.

Wer sauberere Autos will, muss vor allem bei den großen Modellen ran, weil die viel verbrauchen und viel Dreck in die Luft pusten. Und man muss wohl mit Grenzwerten drohen, um überhaupt etwas zu erreichen. Am Ende sollten aber weder Brüssel noch Berlin vorschreiben können, welches Auto man fährt. Ordnungspolitisch sinnvoller wäre es, dreckige Autos mit einer Steuer zu belegen, gestaffelt nach Klassen.

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