Meinung : Vermeintliche Schmuddelkinder

Berichterstattung Heerstraße Nord

Seit 2005 leite ich das Team des Quartiersmanagements Heerstraße und habe fast ausschließlich Bewohner/innen kennengelernt, die hier freiwillig und gerne wohnen: nämlich vergleichsweise preiswert in einem durchgrünten Gebiet, das entgegen seines schlechten Rufes wenig Kriminalität aufweist, weitgehend barrierefrei angelegt ist, über engagierte Infrastruktureinrichtungen, gute Schulen, Ärzte, ein Einkaufszentrum und viel bürgerschaftliches Engagement verfügt. In dem zum größeren Teil privatisierten, ehemals landeseigenen Wohnungsbestand an der Heerstraße nimmt seit Jahren der Teil an Bewohner/innen zu, die von staatlichen Leistungen abhängig sind, besonders viele Kinder sind von Armut und Armutsfolgen betroffen. Das stellt Familien, Kitas, Schulen und soziale Infrastruktur vor besondere Herausforderungen, so fehlen nicht nur Kitaplätze und Erzieher/innen, sondern auch unterstützende Angebote für Familien. Nicht die Menschen sind das Problem, sondern gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die Ausgrenzung und Benachteiligung verfestigen. Quartiersverfahren können nicht die Ursachen sozialer Ungleichheit und Ausgrenzung und die Herausbildung benachteiligter Stadtteile beseitigen, sie fördern aber eine engagierte Stadtteilarbeit gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, die kein „düsteres Bild“ malt, sondern Probleme beim Namen nennt und z.B. für Bildungsgerechtigkeit eintritt. Hier ist die Politik gefragt, und es ist gut, dass neben dem Programm Soziale Stadt auch der Bezirk Spandau sozialer Entmischung und Benachteiligung verstärkt begegnen will. Mit dem Finger auf vermeintliche „Schmuddelkinder“ zu zeigen war noch nie eine zukunftsweisende Strategie.

Cornelia Dittmar, Diplomsoziologin, Berlin-Spandau

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