Verpatzter Börsenstart : Warum Facebook abstürzt

Erst hoch gehandelt, jetzt geht es abwärts: Die Facebook-Aktie befindet sich im freien Fall, in den letzten Tagen wurden Milliarden virtuell vernichtet. Dafür gibt es Gründe - und einer davon hängt mit dem Boom der Smartphones zusammen.

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Foto: Reuters

Was als Erfolgsstory begann, entwickelt sich zu einem Trauerspiel. Die Facebook-Aktie, deren Preis und Anzahl immer höher gepuscht wurde, wird nun täglich billiger. Die Frage ist, was übertrieben war oder ist: die Euphorie vor oder der Ausverkauf nach dem Börsengang. Die Antwort ist: beides.

Zunächst einmal hat Facebook eine fantastische Wachstumsstory hingelegt. Ein Jahresumsatz von 3,7 Milliarden Dollar und ein Gewinn von einer Milliarde Dollar sind für ein Unternehmen, das 2004 in einer Studentenbude gegründet wurde, eine großartige Leistung. Und in so kurzer Zeit zum größten sozialen Netzwerk weltweit aufzusteigen ebenso. Rechtfertigt dies eine Börsenbewertung von 100 Milliarden Dollar? Natürlich nicht. Aber darum geht es an der Börse nicht, dort werden Zukunftserwartungen gehandelt.

Facebooks Geschäft ist das Sammeln, Aggregieren und Auswerten von Daten – zum Teil sehr persönlichen. Diese Daten sind für Werbetreibende enorm interessant, weil sie so ihre Anzeigen zielgenau platzieren können. Zum Teil kann man sogar ganz gut voraussagen, wofür sich ein Nutzer in naher Zukunft interessieren könnte.

Bildergalerie: Facebooks Börsengang

Wie bei Facebook gearbeitet wird
Der Mega-Börsengang von Facebook fachte den Internet-Goldrausch an. Der monumentale Börsenwert von mehr als 100 Milliarden Dollar, die atemberaubenden Gewinne für frühe Investoren - all das zeigte tausenden Jungunternehmern und Startup-Geldgebern, wie ihr Traum zur Wirklichkeit werden kann. Dann stürzte die Aktie ab. Doch wie wird der Wert hinter dem Papier erarbeitet?Weitere Bilder anzeigen
1 von 30Foto: Matt Harnack / Facebook
18.05.2012 17:34Der Mega-Börsengang von Facebook fachte den Internet-Goldrausch an. Der monumentale Börsenwert von mehr als 100 Milliarden Dollar,...

Abgesehen davon, dass Menschen die Lust an Facebook verlieren oder dass Datenschützer dem Unternehmen das Leben immer schwerer machen könnten, hat Facebook das größte Risiko für sein Geschäftsmodell in seinem Börsenprospekt schon beschrieben: Von den 900 Millionen Mitgliedern nutzen bereits 500 Millionen Facebook mobil. Und die mobile Nutzung wird immer wichtiger werden. Es ist einfach interessanter, von unterwegs Infos oder Fotos zu veröffentlichen, genau dann und dort, wo etwas passiert.

Bis jetzt ist es aber noch keinem Unternehmen gelungen, erfolgreich Werbung auf Smartphones zu etablieren. Google nicht, Facebook auch nicht. Die meisten Menschen wollen offenbar auf dem kleinen und persönlichen Bildschirm ihres mobilen Begleiters keine Werbung haben. So wird sie bisher wenig angeboten und noch weniger geklickt. Im stationären Internet brechen dem Unternehmen also Werbeeinnahmen weg, aber wo in der mobilen Welt neue herkommen sollen, ist noch offen.

Facebook, Google und andere Unternehmen arbeiten intensiv an innovativen mobilen Werbeformen. Facebook kann dabei nicht nur sein Wissen über den Aufenthaltsort einer Person nutzen, sondern eben auch seine Daten über die Vorlieben und die sozialen Kontakte seiner Mitglieder.

Mobile Werbung ist ein noch unerschlossener Markt mit riesigem Potenzial – und es ist noch überhaupt nicht ausgemacht, wer sich dort durchsetzt. Für Facebook ist das Chance und Risiko zugleich. Für den Anleger ebenso. Die Macher im Unternehmen selbst und die Banken haben ihren Beitrag dazu geleistet, dass die Erwartungen hoch sind, vielleicht zu hoch. Nun sind die ersten Investoren nervös geworden. Allerdings gibt es dazu heute nicht mehr Grund als zum Zeitpunkt des Börsengangs.

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